Autor Thema: "Pilgern auf dem Jakobsweg-Die Suche nach der Quelle des Christentums"  (Gelesen 22194 mal)

Gertrudis

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Re: "Pilgern auf dem Jakobsweg-Die Suche nach der Quelle des Christentums"
« Antwort #60 am: Januar 09, 2017, 23:01:41 Nachmittag »
Lieber Richards,

danke, dass Du Dich wieder meldest.
Nun habe ich, im Gegensatz zu Dir, das Buch von Perowanowitsch noch immer nicht gelesen, aber ich werde es jetzt doch auch tun...
Allerdings habe ich im Internet gefunden, dass sich Zoran Perowanowitsch durchaus schon vor seinem Jakobsweg mit der Christusauffassung, um die es bei unserem Thema anscheinend geht, beschäftigt hat. Dabei ist er offenbar stark sowohl von der Anthroposophie (bzw. Theosophie) Rudolf Steiners beeinflusst als auch von einer bestimmten Richtung der Rosenkreuzer.
Jedenfalls gibt es eine ganze Reihe von Veröffentlichungen in dieser Richtung, z.B.:
http://www.kitesh.de/Artikels_von_Zoran_Perowanowitsch.html
https://www.amazon.de/Mit-einem-erweiterten-Christusverst%C3%A4ndnis-Jahrhundert/dp/3980589404

Über das Christusverständnis bei Rudolf Steiner findet man natürlich eine Menge, wenn man sich die Mühe machen möchte, sich in diese Gedankenwelt einzulesen. Kurz herausgegriffen z.B:
https://anthrowiki.at/Christus
https://anthrowiki.at/Christuskraft

Zu den Rosenkreuzern und Rudolf Steiner:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenkreuzer#Rudolf_Steiner_und_das_anthroposophische_Rosenkreuzertum

Nun regt sich bei mir natürlich ein Verdacht, nämlich der, dass Perowanowitsch das Buch über den Jakobsweg möglicherweise auch in der Absicht geschrieben hat, sein Gedankengut anhand eines populären "Schauplatzes" unter die Leute zu bringen. Das wäre ja nun nicht verwerflich (Coelho hat es ja mit seinen - vermutlich selbst erfundenen - "Einweihungen auf dem Jakobsweg" auch so gemacht).
Jedenfalls aber muss man, selbst wenn der Autor die "tiefen spirituellen Erfahrungen mit Christus" auf dem Jakobsweg tatsächlich gemacht hat, davon ausgehen, dass diese vom schon vorher vorhandenen geistigen Hintergrund des Autors beeinflusst sind.

Aber gut, ich werde das Buch lesen, und erst dann steht es mir vielleicht zu, überhaupt irgendetwas darüber zu sagen.

Und eigentlich geht es ja gar nicht so sehr um das Buch, sondern um etwas, das in dem Buch offenbar angedeutet wird und was mich durchaus interessiert.
Wenn Du also diesen Austausch fortsetzen möchtest, bitte ich Dich, noch etwas Geduld zu haben.

Liebe Grüße
Gertrudis



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Richards

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Re: "Pilgern auf dem Jakobsweg-Die Suche nach der Quelle des Christentums"
« Antwort #61 am: Januar 10, 2017, 11:52:22 Vormittag »
Liebe Getrudis!

"Und eigentlich geht es ja gar nicht so sehr um das Buch, sondern um etwas, das in dem Buch offenbar angedeutet wird und was mich durchaus interessiert.
Wenn Du also diesen Austausch fortsetzen möchtest, bitte ich Dich, noch etwas Geduld zu haben."


So sehe ich es auch und es war mir persönlich immer von Wichtigkeit nicht an einer Richtung und deren Sprache zu scheitern, sondern das allgemein Wahre darin für mich zu finden.

Mit lieben Grüßen
Richards

Gertrudis

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Re: "Pilgern auf dem Jakobsweg-Die Suche nach der Quelle des Christentums"
« Antwort #62 am: Februar 01, 2017, 00:28:52 Vormittag »
Lieber Richards,
nun habe ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich mich lange nicht gemeldet habe, obwohl ich das Buch inzwischen gelesen habe - auch den ganzen Thread habe ich nun gelesen und festgestellt, das das, was ich dazu geschrieben habe, eigentlich schon gesagt war.
Ehrlich gesagt - so wirklich viel anfangen konnte ich mit dem Buch nun nicht.
Was mir aufgefallen ist - all die Menschen, denen der Autor  begegnet, erscheinen wie Gestalten in einem Traum, die kein unabhängiges eigenes Leben entfalten, sondern als (unbewusste) Anteile der eigenen Persönlichkeit gesehen werden können (der Nubbel, der an allem schuld ist, die Süchtige usw.) - die "Schatten",  die am Ende integriert werden (er ist zunächst überfordert, aber am Ende hat er sich mit allen "ausgesprochen"). Und vor allem Sophia, die "Anima" (warum nennt er sie ausgerechnet "Sophia", die göttliche Weisheit...)

Der "Christus" erscheint ihm in Visionen und Bildern, aber die Bilder sind ja schon vorher da. Sie sind schon in ihm, es sind archetypische Bilder, die durch den Weg lebendig werden. Vielleicht ist es ja das, was er mitteilen möchte...

Mich beschäftigt eher die Frage - was mache ich nun mit so einer Erfahrung?

Ja, auch ich habe auf meinem ersten Camino etwas erlebt, was wohl unter die Rubrik "mystische Erfahrung" einzuordnen ist. Vermutlich kommt es sogar häufiger vor, als man denkt, aber es ist eben etwas, worüber man nicht sprechen kann.
Ich habe keine Visionen gesehen, aber es war etwas außerhalb von Zeit und Raum, und es war etwas, was meine Sicht auf die Welt und mein Da-Sein in der Welt radikal verändert hat... und das ganze Leben hat eine neue Richtung genommen. Tatsächlich habe ich danach angefangen, meine christliche Tradition (neu) zu finden und zu leben...
Aber ich wage trotzdem nicht zu behaupten, dass ich "dem Christus" höchstpersönlich begegnet wäre.

Lieber Richards, kannst Du das, was Dich "so sehr beschäftigt", in Worte fassen?
Ich kann es, glaube ich, nicht wirklich, und schon gar nicht im Rahmen so eines Forums.
Es geht, bis zu einem gewissen Grad, in persönlichen Gesprächen mit einem guten Freund, der ähnliche Erfahrungen kennt.

Aber das Wissen, dass wir nicht allein sind, ist etwas sehr Schönes.

Ich wünsche Dir Segen auf Deinem Weg!
Gertrudis





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Richards

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Re: "Pilgern auf dem Jakobsweg-Die Suche nach der Quelle des Christentums"
« Antwort #63 am: Februar 01, 2017, 14:07:39 Nachmittag »
Liebe Gertrudis,

Nein, ein schlechtes Gewissen ist wirklich nicht angebracht. Ich freue mich von Deiner Sicht zu hören, denn einige Gesichtspunkte sind mir erst dadurch aufgegangen. 
Ja, die Frage, ob das Buch von einer wirklichen Pilgerschaft berichtet, oder eine Fiktion ist, tauchte ja im Thread bereits auf. Ich komme darauf, da Du den Eindruck hast, dass die geschilderten Personen so unwirklich wirken, eher wie Traumgestalten, Schatten die auf dem Weg umgewandelt werden.
Was mich faszinierte war der Facettenreichtum. Ich ahnte, dass ein jeder seinen eigenen Hintergrund darin sehen wird und so bat ich meine Freunde das Buch zu lesen. Dazu muss ich sagen, dass mein Freundeskreis vorwiegend aus religiösen Menschen besteht, wobei einige davon offen für spirituelle Sichtweisen sind und ein Ehepaar sehr belesen ist was die christliche Mystik betrifft und es auch zu leben sucht. Sie wollen im Frühjahr zum vierten Mal den Jakobsweg pilgern. Sie gingen den Weg zum ersten Mal im Sommer, dann im Herbst und Winter. So wollen Sie den Weg durch alle Jahreszeiten erleben.
Also 1/3 sagte das Buch sei angenehm zu lesen, unterhaltsam, doch die angedeuteten Erfahrungen auf dem Weg mussten sie so wie ich stehen lassen
Das zweite Drittel versuchte es aus dem Hintergrund des C.G.Jung zu erfassen, wobei sie die anfänglich im Buch angesprochene "Aufmerksamkeit" und "Hingabe" der männlichen- und weiblichen Seelenkraft zuordneten und in deren Synthese die Erfahrung in der Meseta als die Erfüllung durch die "Himmlische Mutter" sahen.
Für das Ehepaar war die Aussage des Buches offensichtlich. Sie meinten es wolle, neben dem unterhaltsamen Teil den inneren Weg zum Erfahren des Christus im Herzen und damit als die Quelle des Christentums aufzeigen. Sie lasen die anderen Beiträge des Autors in verschiedenen Zeitschriften und meinten, die im Buch gemachten Aussagen und erwähnten Christusoffenbarungen seien bereits vor der Pilgerschaft gemacht worden, also Ihm nicht etwas ganz Neues waren. Doch man könnte ja eine Erfahrung wiederholt machen.
Sie nahmen die einzelnen Aussagen was den inneren Weg betrifft heraus und meinten dann, dass Sie selbst überrascht waren wie doch in einer unauffälligen Weise, der Kern des mystischen Christentums vor Ihnen zu entstehen begann.
Insbesondere mein Freund konnte für sich die einzelnen Stufen innerer Entwicklung wiedererkennen und erzählte mir zum ersten Mal von einer ähnlichen Erfahrung die er vor Jahren gemacht hatte und derjenigen im Buch ähnelt, von der der Autor in der Meseta berichtet. Insbesondere fand er die Offenbarung des Gesichtes in der Himmelsbläue für sich als sehr wichtig, denn damals war er von seiner Erfahrung so erfüllt, dass er über Wochen nicht so recht für den Alltag tauglich war. Das Christus  aus der kosmischen Erfahrung wieder den Weg zur Erde weist wäre sicherlich für viele spirituell suchenden von Bedeutung.
Es wären Imaginationen die der Autor beschreibt, doch durch die Bilder würde er ja auch angesprochen und von der eigentlichen inneren Begegnung würde der Autor nur Andeutungen machen.

Soweit von meiner Umgebung. Ich glaube in mir selbst finde ich alle Sichtweisen wieder. Einerseits las ich das Buch schmunzelnd, die Begegnungen mit den einzelnen Personen waren mir durchaus real, wenn auch sehr durch den mehr schauenden Charakter des Autors bestimmt. Die psychologisch-mystische Sichtweise ist mir auch nicht fremd, doch ich persönlich fühle mich durch lange Gespräche mit meinem Freund der mystischen Sichtweise am nächsten.

Liebe Getrudis, du fragst was mich so sehr beschäftigt. Ja vielleicht das was im Buch anklingt. Ich kann zum Christus einen direkten Zugang finden, durch eine Vertiefung meines Seins, das über das "nur" glauben an, hinausgeht.
Ich persönlich kann aus dem Gelesenen für mich zwar die Erfahrung des Autors so stehen  lassen, da es einer besonderen Tiefe erfordert, um es zu erfahren und zu verstehen, doch es spricht etwas in mir an, was mich bewegt und ermutigt. Genaueres kann ich auch nicht sagen.


Liebe Grüße
Richards











Sue

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Re: "Pilgern auf dem Jakobsweg-Die Suche nach der Quelle des Christentums"
« Antwort #64 am: Februar 28, 2017, 13:24:59 Nachmittag »
Lieber Richards,

das freut mich, das du mit dem Inhalt des Buches etwas anfangen kannst. Ich habe es vielleicht etwas überschwänglich, da voller Begeisterung, vorgestellt und dachte jeder müsste diese mit mir teilen, wenn er es lesen würde. Das dem nicht so ist, habe ich schnell begriffen und war etwas enttäuscht, vor allem in einem Forum über das Pilgern. Doch hat wahrscheinlich Getrudes recht, wenn sie sagt, dass solche intime Inhalte nicht unbedingt hier besprochen werden können.
Da ich in der Nähe von Freiburg wohne, habe ich den Autor besucht und lange Gespräche, vor allem über den Inhalt des Buches, geführt. Da wurde mir bewusst, warum der mich so angesprochene Inhalt nicht jedem zugänglich ist.
Nichtsdestotrotz freue ich mich, dass mein Beitrag auch andere Menschen erreicht hat, die sich vielleicht aus gutem Grund hier nicht gemeldet haben, aber mir schrieben.

Sue

Richards

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Re: "Pilgern auf dem Jakobsweg-Die Suche nach der Quelle des Christentums"
« Antwort #65 am: März 06, 2017, 22:19:29 Nachmittag »
Liebe Sue,

Es freut mich das du schreibst. Ich für meinen Teil kann es so stehen lassen. Es ist doch bei jedem Buch so, einige fühlen sich angesprochen andere nicht. Doch hier handelt es sich ja nicht um Geschmackssache, sondern ob der Leser durch eigene Erfahrungen Zugang erhält. Es wird etwas sehr wesentliches angesprochen und wie leicht man doch darüber hinweg liest ohne es zu erkennen. Ich habe mich schon gefragt, ob es absichtlich so geschrieben wurde. Das Bild vom Buch im Buch hat mich angesprochen.

Liebe Grüße Richards