Autor Thema: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Wartburg→Lutherstadt Wittenberg 🇩🇪  (Gelesen 38968 mal)

Mario d'Abruzzo

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Kahla & Rudolstadt→Berlin 🇩🇪
« Antwort #480 am: September 01, 2017, 19:07:09 Nachmittag »
Ach ja, noch was. Meine Heimfahrt mit dem flixbus von Berlin nach Freiburg war ja als Nachtverbindung gebucht und so nutzte ich den Tag für einen Ausflug nach Lübben im Spreewald zum Besuch des Paul-Gerhardt-Museums.

Zitat (Quelle): "Paul Gerhardt (* 12. März jul./ 22. März 1607 greg. in Gräfenhainichen; † 27. Mai jul./ 6. Juni 1676 greg. in Lübben) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter. ... Neben seiner pfarramtlichen Tätigkeit pflegte Gerhardt auch in Mittenwalde die Liedkunst. 1653 erschien die fünfte Auflage von Crügers Gesangbuch, in dem sich 64 neue Lieder von Gerhardt befanden. Während dieser Zeit verfasste er unter anderem das Passionslied O Haupt voll Blut und Wunden, das in der nachfolgenden Auflage von Crügers Gesangbuch (1656) erschien und heute zum Weltkulturerbe gerechnet wird. Es ist die Übersetzung des lateinischen „Salve caput cruentatum“ von Arnulf von Löwen, das lange Zeit Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wurde und Eingang in die Matthäus-Passion Johann Sebastian Bachs1 fand."

Lübben als Ort mit Bezug zu Paul Gerhardt war mir durch einen Teilnehmer am Reformations-Seminar 2015 (dass ich Gabriele zu verdanken habe) ein Begriff.

Die Fahrt in den Spreewald: http://sutterer.eu/luther/2017/2017.07.14.html

Mario

1 Paul Gerhardts Verse und Johann Sebastian Bachs Vertonungen... und das Weihnachtslied "Ich steh' an Deiner Krippen hier" (Hermann Prey) Text: Paul Gerhardt (1653) und Musik: Johann Sebastian Bach (1736) oder Paul Gerhardt / Johann Sebastian Bach: Wie soll ich Dich empfangen Choral aus dem Weihnachtsoratorium, gesungen vom Ökumenischen Singkreis Preungesheim am 20. 12. 2012 in der Liebfrauenkirche Frankfurt
« Letzte Änderung: September 01, 2017, 19:18:31 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

monika2010

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Kahla & Rudolstadt→Berlin 🇩🇪
« Antwort #481 am: September 01, 2017, 19:31:46 Nachmittag »
Hallo Mario!

War ein interessanter Bericht mit vielen tollen Fotos, vielen Dank.
Lange nach dem Forums-Absturz fand ich dann wieder alle Tagesberichte, habe mich gefreut.
Frage zum Freitag, 14.7.17 - Fahrt in den Spreewald: Bild 9 von unten rauf, was verbirgt sich in der riesigen Halle im Hintergrund?

Gruß von Monika2010.

Liebe Grüße,

Monika

Geronimo24

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Kahla & Rudolstadt→Berlin 🇩🇪
« Antwort #482 am: September 01, 2017, 21:39:16 Nachmittag »
Ich nehme an, es ist die ehemalige CargoLifter-Halle, etwa 10 km nordwestlich von Lübben:

https://de.wikipedia.org/wiki/Cargolifter_AG#Der_Luftschiffhangar_und_dessen_Standort

Gruß Gero
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Mario d'Abruzzo

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Kahla & Rudolstadt→Berlin 🇩🇪
« Antwort #483 am: September 01, 2017, 23:49:19 Nachmittag »
Genau, Gero!

Ich nehme an, es ist die ehemalige CargoLifter-Halle, etwa 10 km nordwestlich von Lübben:

ich hatte Glück, dass gerade an diesem Tag eine Führung auf den Kirchturm von Lübben stattfand (Ein Kuriosum: der Turm gehört der politischen Gemeinde, die restliche Kirche der evangelischen Gemeinde.). Dabei entstand das Foto.

Danke für den Link!

Mario

P.S. Noch ein Lied von Paul Gerhardt, das wohl jeder kennt: Geh aus, mein Herz, und suche Freud
« Letzte Änderung: September 01, 2017, 23:56:32 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

Mario d'Abruzzo

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Re:Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Wartburg→Lutherstadt Wittenberg 🇩🇪
« Antwort #484 am: September 02, 2017, 00:06:43 Vormittag »
Liebe Monika,

Lange nach dem Forums-Absturz fand ich dann wieder alle Tagesberichte, habe mich gefreut.

das ist schön. Ich hatte damals weiter meist zweimal jeden Tag meine Fotos hochgeladen, immer mittags und abends. Muss jetzt mal ein bisschen aufräumen, nachdem ich meine Tour für 2018 fertig geplant habe...

In der Zwischenzeit des pilgerforum.de-Absturzes hatte ich einiges zu meiner Erzengel Michael-Reise 2018 in Sybilles eigenem Forum caminosantiago.eu/pilgerforum gepostet. Sybilles Forum hat den Vorteil, dass auch Fotos direkt dargestellt werden und nicht nur vimeo-Filme, sondern auch YouTube-Clips direkt angeschaut werden können:

Trekking auf der Halbinsel Gargano

Monte Sant'Angelo → Sacra di San Michele → Le Mont-Saint-Michel → St. Michael's Mount

Monte Sant'Angelo in Apulien • Pilgerziel seit 492

Pilger-Wandern im Apennin und in den Abruzzen

Mario
« Letzte Änderung: November 19, 2017, 23:08:04 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

monika2010

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Kahla & Rudolstadt→Berlin 🇩🇪
« Antwort #485 am: September 02, 2017, 17:45:24 Nachmittag »
Servus, Mario!

Danke an Dich und Gero für die Aufklärung dieser gigantischen Halle, beeindruckend.
Mario, es waren so viele schöne Fotos dabei, ganz besonders die Tierbilder wie Fuchs (!) -extrem scheu-,
div. Vögel etcetc., klasse.

Die Tour 2018 wird wieder interessant, bitte mache Dir die Mühe und stelle die täglichen  Fotos ins Forum.
Die Links kannte ich bereits aus Sybilles Seite, aber dort sind die Bilder für mich  ganz klein weil ich nicht angemeldet war/bin.

Schön, dass "unser" Forum wieder funktioniert und wir uns hier austauschen können.
Herzliche Grüße von Monika2010.



Liebe Grüße,

Monika

Mario d'Abruzzo

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Kahla & Rudolstadt→Berlin 🇩🇪
« Antwort #486 am: September 02, 2017, 18:41:26 Nachmittag »
Liebe Monika,

Die Links kannte ich bereits aus Sybilles Seite, aber dort sind die Bilder für mich  ganz klein weil ich nicht angemeldet war/bin.

dann melde Dich doch an. Sybille freut sich sicher; und die Bilder sind teilweise riesig, weil sie bis zu 1.200 Pixel Seitenlänge zulässt.

Wie sieht es denn mit den Videos aus? Kann man die dort anschauen ohne Anmeldung?

Samstagabend-Grüße aus Staufen

Mario

monika2010

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Kahla & Rudolstadt→Berlin 🇩🇪
« Antwort #487 am: September 02, 2017, 19:10:35 Nachmittag »
Mario,
ja, Video kann ich ansehen.

Gruß von Monika.
Liebe Grüße,

Monika

anfängerin

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Kahla & Rudolstadt→Berlin 🇩🇪
« Antwort #488 am: September 04, 2017, 16:03:40 Nachmittag »
Hallo Mario!

War ein interessanter Bericht mit vielen tollen Fotos, vielen Dank.
Lange nach dem Forums-Absturz fand ich dann wieder alle Tagesberichte, habe mich gefreut.

anfängerin

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Lutherstadt Wittenberg→Berlin 🇩🇪
« Antwort #489 am: September 04, 2017, 16:10:25 Nachmittag »
Hallo Mario,
das ging zu schnell, ich wollte noch schreiben, dass ich mich auch über Deine Bilder gefreut habe.
Deine Berichte fand ich hier nicht mehr.


Du bist doch so ein Baum-Freak, hast Du auch die neu gepflanzten Bäume aus aller Welt in Wittenberg gesehen.
Ich war mit unserer Gemeinde jetzt am Wochenende dort und war von dem Luther Panorama von Y. Asisi sehr beeindruckt.

Viele Grüße
Anfängerin H. aus Hessen

Mario d'Abruzzo

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Lutherstadt Wittenberg→Berlin 🇩🇪
« Antwort #490 am: September 04, 2017, 16:45:42 Nachmittag »
Hi Anfängerin,

Du bist doch so ein Baum-Freak, hast Du auch die neu gepflanzten Bäume aus aller Welt in Wittenberg gesehen.
Ich war mit unserer Gemeinde jetzt am Wochenende dort und war von dem Luther Panorama von Y. Asisi sehr beeindruckt.

ja klar, die Bäumchen mit den Patennamen auf Metallschildchen hab' ich immer auf dem Weg vom Altstadtbahnhof zur Jugendherberge gesehen. Am Hauptbahnhof waren wohl auch noch welche? Insgesamt wollte man so auf die 1.500 kommen. Komisch, dass ich davon keine Fotos gemacht habe... Aber in dem Park hinter dem russischen Soldatenfriedhof waren ganz viele, sehr alte Bäume. Davon hab' ich ne Menge Fotos...

Auf dem Weg von Halle in den Harz hatte ich mit Zug und Bus einen Schlenker Richtung Thüringen gemacht, um die KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora zu sehen und vor allem, um in Frankenhausen das Panorama-Museum zum Bauerkrieg zu besuchen. Wenn man dort drin war, dann ist das Asisi-Panorama nur noch drittklassik. In Frankenhausen hat die Leinwand wirklich 360° und ist in vier Quadranten aufgeteilt, die einerseits in einander übergehen, andererseits die vier Jahrezeiten symbolisieren und zusammengenommen sowas wie die Menschheitsgeschichte beschreiben. Im Gegensatz zu Wittenberg ist es dort mucksmäuschenstill, jeder Besucher hat ein individuelles Hörgerät, mit dem ihm das Panorama nahe gebracht wird. Mit Ruhepausen zwischen den Jahreszeiten und der Start sind ganz individuell. Also es glotzen nicht alle auf Kommando in eine Richtung. Das Panorama in Frankenhausen stammt noch aus DDR-Zeiten und der Künstler war sehr mutig, weil er nicht nur das eigentlich verlangte Schlachtengemälde mit Thomas Müntzer als tragischem Helden der 'gerechten' Sache, hergestellt hat, sondern darüber hinaus ein echtes Kunstwerk:

Zitat (Quelle): "Betreten Sie eine Welt, die Sie vollkommen mit Malerei umschließt. Eine erhabene Sinfonie aus Farben wird Sie erfüllen und auf eine Reise in die Vergangenheit entführen. Ein Bilddom der Superlative, der zum Staunen und Entdecken, zum Verweilen und Nachdenken, zum Innehalten und Träumen einlädt."

Video • MDR • Orte der Reformarion • Bad Frankenhausen

Virtueller Rundgang auf YouTube

Audio-Information zum Bauernkriegspanorama auf YouTube

Rundflug

Mario
« Letzte Änderung: September 06, 2017, 01:58:38 Vormittag von Mario d'Abruzzo »

Mario d'Abruzzo

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Re:Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Wartburg→Lutherstadt Wittenberg 🇩🇪
« Antwort #491 am: September 25, 2017, 01:16:41 Vormittag »
Heute am Montag, 25 September 2017, ist der Gedektag für den Hl. Nikolaus von der Flüe.

Obwohl äußerst katholisch ist dieser Bruder Klaus sehr mit meiner langen Wanderung zum Reformationsjubiläum 2017 verbunden; ich habe darüber schon geschrieben.

Zitat (Quelle):

"Hl. Nikolaus (Klaus)

Einsiedler, Mystiker, Friedensstifter

* 1417 auf dem Flüeli bei Sachseln im Kanton Obwalden in der Schweiz
† 21. März 1487 auf dem Flüeli

1417 kommt Niklaus auf dem Flüeli als Bergbauernbub zur Welt. Viel später vertraut Bruder Klaus seinem Beichtvater Aussergewöhnliches aus seiner frühesten Kindheit an, geheimnisvolle Erlebnisse schon vor seiner Geburt und besonders bei seiner Taufe. Und seine Altersgefährten bezeugen nach seinem Tod, dass er bei aller Bubenart gewissenhafter als sie war und sich gerne zum Beten zurückzog, zumal in den Ranft. Von Klein auf horcht Niklaus nach innen und hütet die Gnade der Taufe.

Für den jungen Niklaus beginnt früh der Ernst des Lebens. Es gibt keine Schule. An der Seite des Vaters lernt er, was ein Bergbauer wissen und können muss. Mit vierzehn Jahren geht er mit zur Landsgemeinde; das wird sein Recht und seine Pflicht. Mit sechzehn Jahren wird er kriegsdienstpflichtig - und sieht im Ranft einen schönen, hohen Turm: Der junge Mann weiss sich also weiterhin unter dem besonderen Anruf Gottes. Entgegen dem Brauch bleibt er bis zum dreissigsten Lebensjahr unverheiratet. Beim Volk gewinnt er in den kriegerischen, wilden und undurchsichtigen Verhältnissen im Land mehr und mehr Aufmerksamkeit und Ansehen. Später wird er im Ranft einem Besucher sagen können: "Ich erinnere mich nicht, dass ich je in meinem Leben zu Gunsten eines Menschen vom Pfad der Gerechtigkeit abgewichen wäre."


Ratsherr, Ehemann, Vater

Mit rund dreissig Jahren heiratet Niklaus Dorothea Wyss und baut für die Familie ein stattliches Haus. Die Ehe wird mit fünf Mädchen und fünf Knaben gesegnet. Der angesehene Bauer ist Vertrauensmann der Kirchgenossen von Sachseln. Er wird bald Ratsherr in Obwalden und als solcher oft Schiedsrichter, auch in kirchlichen Streitsachen. Was er später im Ranft einem ratsuchenden Priester empfiehlt, erprobt er in diesen Männerjahren: "Das Leiden Christi, den Tod und das Gericht zu betrachten ist nötig. Aber eines ist nötiger: Dass der Mensch reinen Gewissens ist, dass er wenig Worte macht, gerne allein ist, oft ehrlich beichtet und an Speise und Trank nicht mehr als notwendig nimmt. So bereitet er dem Herrn die Stätte. Wenn die Stätte bereitet ist, dann kommt der Herr und er lehrt den Menschen zu betrachten und was des Herrn Wille ist." Sein ältester Sohn bezeugt nach Bruder Klausens Tod, sein Vater sei seit je jede Nacht aufgestanden, um in der Stube zu beten.

Mit 48 Jahren erreicht Niklaus den Höhepunkt seiner öffentlichen Anerkennung. Er hat alles erreicht, was einen Mann glücklich machen kann: familiäres Glück, wirtschaftlichen Erfolg und sozialen Aufstieg. Aber all dies kann ihn nicht zufrieden stellen. Er leidet unsäglich unter den politischen Missständen in seiner Heimat. Niklaus zieht sich aus allen Ämtern zurück. Die innere Stimme wird immer eindringlicher und unüberhörbar: "Verlass alles, auch das Liebste, auch Frau und Kinder, Hof und Heimat." Er steht vor einem Abgrund. In dieser Not sucht Niklaus das Gespräch mit dem befreundeten Pfarrer Heimo Amgrund. Dieser rät ihm das Leiden Christi zu betrachten und lehrt ihn, zu den sieben Gebetszeiten des kirchlichen Stundengebets über die einzelnen Stationen des Leidens Christi nachzudenken. Weil dies im Ablauf des bäuerlichen Tagewerks schwierig ist, zieht sich Niklaus so oft als möglich zurück, vor allem in die Stille des Ranftes.

Niklaus ist immer mehr entschlossen, "einen geeigneten Ort in der Einsamkeit ausschliesslich für die geistliche Betrachtung zu suchen." Er eröffnet diese Absicht seiner Familie. Es beginnt eine leidvolle Zeit des Nachdenkens, Besprechens und Suchens. Die Familie versucht zu verstehen: "Was will Gott von uns?" Dorothea hat in achtzehn Ehejahren an der Seite von Niklaus Aussergewöhnliches gelernt. Nach schmerzvollem Ringen gibt sie und geben auch die Kinder Niklaus frei und lassen ihn "ins Elend" (in die Fremde) ziehen. Niklaus ist dankbar dafür und bezeichnet später die Erlaubnis seiner Frau und seiner Kinder zu seinem Einsiedlerleben als ein von drei grossen Gnaden, die ihm Gott geschenkt habe.

Wie ein Siegel ihrer bisherigen Liebe und künftigen Treue kommt noch ein Knabe als zehntes Kind zur Welt. Drei Monate darnach, am 16. Oktober 1467, bricht Niklaus in der Pilgerkutte auf. Bei Liestal wird er durch verschiedene Zeichen zurück in sein Obwaldner Land und dort in den Ranft gewiesen. Seine politischen Gegner verdächtigen ihn; aber dass er tatsächlich nun ohne Essen und Trinken lebt, beglaubigt ihn. Die Landsgemeinde lässt ihm eine Zelle mit Kapelle errichten. Von nun an hat das Land seinen 'Bruder Klaus’

An die zwanzig Jahre lebt nun Bruder Klaus, ohne Essen und Trinken, als Einsiedler im Ranft. Die Mitfeier und der Empfang der Eucharistie nähren ihn, wie er bezeugt. Mehr und mehr überwältigt ihn die Herrlichkeit des dreifaltigen Gottes. Tiefer und tiefer zieht ihn der Sohn Gottes, sein Leiden mitzutragen und seinen Kampf mit dem Feind allen Lebens mitzukämpfen - und er erfährt dabei auch die Hilfe seiner ‚himmlischen Kaiserin’. Bruder Klaus bleibt zugänglich für die Sorgen seiner Landsleute, für religiöse Sucher aus Nah und Fern, für Ratsherren und Gesandte mit schwierigen Problemen. Und Sorgen bereiten ihm auch seine eigenen ehrgeizigen Söhne. Alles Menschliche ist ihm vertraut, weit mehr aber noch das Göttliche. Er ist gütig und verstehend zu den Aufrichtigen, kurz und träf zu den Falschen und Eingebildeten.

Als jungem Mann sind ihm siebzig Lebensjahre verheissen worden. Im siebzigsten Lebensjahr erkrankt er schwer. Nach einer schmerzvollen Woche stirbt er am 21. März 1487 im Ranft. Als ‚Heiliger’ bereits hochverehrt, wird Bruder Klaus in der damaligen Kirche zu Sachseln beigesetzt; so hatte es sein Bischof nach der Prüfung seines Fastens angeordnet.

Als Bruder Klaus schon im vierzehnten Jahr im Ranft lebt, trägt sich für die schweizerische Eidgenossenschaft bis heute Entscheidendes und Zeichenhaftes zu. Am 21. Dezember 1481 schliesst die Tagsatzung in Stans in unversöhnlichem Gegensatz zwischen den je vier Stadt- und Länder-Orten der Eidgenossenschaft. Da eilt in der Nacht Pfarrer Heimo Amgrund von Stans in den Ranft zu Bruder Klaus, seinem geistlichen Freund. Bruder Klaus hat sein Ansehen, seine Erfahrungen als Ratsherr und seine Sorge für Land und Volk mit in den Ranft genommen; auch in dieser Streitsache ist er seit langem gut unterrichtet. Mit einem uns unbekannten Rat eilt Pfarrer Heimo ebenso zurück. Er bewegt in Berufung auf Bruder Klaus die Tagsatzungsherren, noch einmal zusammenzutreten. Und in nur zwei Stunden beschliessen sie einhellig eine Lösung. Diese bannt nicht nur die Gefahr eines zerstörerischen Bürgerkrieges, vielmehr wird endlich der gemeinsame Bund der bisher nur locker verbündeten acht Orte beschlossen, die Aufnahme von Freiburg und Solothurn und damit überhaupt die Erweiterung des Bundes ermöglicht und beiläufig die Mehrsprachigkeit eingeleitet. So prägt sich, noch vor der Zerreissprobe der Reformation, Bruder Klaus als überragende und verbindende Christengestalt ein.

Schon zu Lebzeiten verehrt man Bruder Klaus wegen seines Fastenwunders wie einen Heiligen. 1649 wird er seliggesprochen. Trotz verschiedener Anstrengungen wird er aber erst in unserem Jahrhundert, nach dem Zweiten Weltkrieg, an Christi Himmelfahrt 1947, heiliggesprochen und so endgültig als vorbildlicher Christ und jenseitiger Fürsprecher anerkannt.

Unter den Zeichen unserer Zeit und des Zweiten Vatikanischen Konzils tritt Bruder Klaus und mehr und mehr auch seine Ehe und nicht weniger das Geschehnis von Stans ins vollere Licht: Der Mensch, der in der Würde der Taufe sich als lebendigen Tabernakel des dreifaltigen Gottes erfährt und bewährt. Ganz und gar Laie: Bauer, Ehemann, Familienvater, Ratsherr. Eine Ehe, die als Lebens- und Glaubensgemeinschaft über sich selbst hinaus zum Licht und zur Hoffnung inmitten der Welt wird. Ein ganz gottergriffener Mystiker, der ohne jede äussere Macht zum Vater eines durch Jahrhunderte eigenartigen Staatsgebildes wird. Dem machtbewussten Rat von Bern lässt Bruder Klaus vielsagend schreiben: "Gehorsam ist die grösste Ehre, die es im Himmel und auf Erden gibt, weshalb ihr trachten müsst, einander gehorsam zu sein, und Weisheit ist das allerliebste, denn sie fängt alle Dinge am besten an. Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede. Darum sollt ihr schauen, dass ihr auf Frieden stellet." Der Staatenbund der Eidgenossen inmitten von Feudalstaaten und später der Bundesstaat inmitten von Nationalstaaten hat mit jener Weisheit, dem ‚Einander gehorsam sein’ zu tun. Für das Wohl jedes Einzelnen und der ganzen Welt hängt auch heute viel von solchem ‚Einander gehorsam sein’ ab.


http://www.bruderklaus.ch

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles mir,
was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich führet zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.

(Gebet, das der Hl. Nikolaus von der Flüe täglich betete)"


Mario
« Letzte Änderung: November 19, 2017, 23:07:33 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

Mario d'Abruzzo

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Re:Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Wartburg→Lutherstadt Wittenberg 🇩🇪
« Antwort #492 am: Oktober 23, 2017, 21:52:44 Nachmittag »
In der Badischen Zeitung vom 23.10.2017:

Wer war Katharina von Bora?

Ein sehr gutes Kurz-Porträt Katharina von Boras, geschrieben von Karin Jäckel (69), Zitat (Quelle): "Ihre neusten Forschungen werden 2018 als reich bebilderte Biographie veröffentlicht werden. Jäckel, die Kunstgeschichte, Germanistik und Sprecherziehung studierte, ist verheiratet, hat drei Söhne und wohnt in Oberkirch im Schwarzwald."

Mir war z.B. neu, dass Katharina auch während ihrer Ehe mit Martin Luther mit seiner Billigung weiterhin ihren Geburtsnamen 'Katharina von Bora' trug. Somit sind Titel wie 'Katharina Luther', als auch die Bezeichnung 'Lutherin' eher ahistorisch.und wohl einem zeitgebundenem Frauenbild geschuldet.

Katharina von Boras Grabstätten-Epitaph in der Torgauer Marienkirche (Foto von meinem Besuch in Torgau am 08.07.2017) Zitat (Quelle): "Bis heute schauen dort ihre blauen Augen in stiller Größe dem Betrachter ins Gesicht."

Mario
« Letzte Änderung: November 19, 2017, 23:07:13 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

anfängerin

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Lutherstadt Wittenberg→Berlin 🇩🇪
« Antwort #493 am: Oktober 28, 2017, 10:29:54 Vormittag »
]

Auf dem Weg von Halle in den Harz hatte ich mit Zug und Bus einen Schlenker Richtung Thüringen gemacht, um die KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora zu sehen und vor allem, um in Frankenhausen das Panorama-Museum zum Bauerkrieg zu besuchen. Wenn man dort drin war, dann ist das Asisi-Panorama nur noch drittklassik. In Frankenhausen hat die Leinwand wirklich 360° und ist in vier Quadranten aufgeteilt, die einerseits in einander übergehen, andererseits die vier Jahrezeiten symbolisieren und zusammengenommen sowas wie die Menschheitsgeschichte beschreiben. Im Gegensatz zu Wittenberg ist es dort mucksmäuschenstill, jeder Besucher hat ein individuelles Hörgerät, mit dem ihm das Panorama nahe gebracht wird. Mit Ruhepausen zwischen den Jahreszeiten und der Start sind ganz individuell. Also es glotzen nicht alle auf Kommando in eine Richtung. Das Panorama in Frankenhausen stammt noch aus DDR-Zeiten und der Künstler war sehr mutig, weil er nicht nur das eigentlich verlangte Schlachtengemälde mit Thomas Müntzer als tragischem Helden der 'gerechten' Sache, hergestellt hat, sondern darüber hinaus ein echtes Kunstwerk:

Zitat (Quelle): "Betreten Sie eine Welt, die Sie vollkommen mit Malerei umschließt. Eine erhabene Sinfonie aus Farben wird Sie erfüllen und auf eine Reise in die Vergangenheit entführen. Ein Bilddom der Superlative, der zum Staunen und Entdecken, zum Verweilen und Nachdenken, zum Innehalten und Träumen einlädt."

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« Letzte Änderung: Oktober 28, 2017, 10:39:43 Vormittag von anfängerin »

anfängerin

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Re: Lutherweg 2017: 🇨🇭 Einsiedeln→Lutherstadt Wittenberg→Berlin 🇩🇪
« Antwort #494 am: Oktober 28, 2017, 10:47:15 Vormittag »
Hallo Mario,
jetzt versuche ich es nochmal:
Heute kommt eine Fernsehsendung im MDR Fernsehen um 11.45 Uhr
http://programm.ard.de/TV/Programm/Jetzt-im-TV?sender=&hour=10%3A00&datum=28.10.2017

o   
11:45 MDR
   Bauernkriegspanorama Bad Frankenhausen
   Das Jahrhundertwerk des Werner Tübke