Autor Thema: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“  (Gelesen 1466 mal)

Mario d'Abruzzo

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taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« am: Februar 19, 2017, 08:42:21 Vormittag »
In der tageszeitung vom 18.02.2017:

"Kolumne Aufgeschreckte Couchpotatoes
Sie läuft und läuft und läuft

Christine Thürmer hat mehr als 30.000 Kilometer auf Langgstreckenwegen zurück gelegt. Sie ist ein radikaler Outdoor-Junkie mit Managementqualitäten.
"

Mario

Hedi

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #1 am: Februar 19, 2017, 09:25:49 Vormittag »
Na ja, informativ ergiebig ist der Bericht von der taz nicht. Da kenne ich anders von der sonst spannenden Zeitung.  Hedi
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Mario d'Abruzzo

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #2 am: Februar 19, 2017, 10:05:45 Vormittag »
Guten Sonntag Hedi!

Na ja, informativ ergiebig ist der Bericht von der taz nicht. Da kenne ich anderes von der sonst spannenden Zeitung.  Hedi

Ich finde einige kritische Bemerkungen zu ihrem Buch. Z.B. "Es erzählt von den Bedingungen unterwegs, von Logistik, von unspektakulären Begegnungen. Es erzählt kaum etwas über Christine Thürmer „auf der „inneren Suche“, nur wenig von den durchwanderten Regionen."

Mario

beemaster

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #3 am: Februar 19, 2017, 10:31:23 Vormittag »
Mir fiel das auch sofort auf. Das scheint mir der Auffassung der Rezensentin geschuldet zu sein, dass Wandern per se etwas Mystisches sei. Die wirft da halt einiges durcheinander. Wandern, pilgern, Einsamkeit, Spititualität und was weiß ich.

Mario d'Abruzzo

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #4 am: Februar 19, 2017, 10:56:40 Vormittag »
Mir fiel das auch sofort auf. Das scheint mir der Auffassung der Rezensentin geschuldet zu sein, dass Wandern per se etwas Mystisches sei. Die wirft da halt einiges durcheinander. Wandern, pilgern, Einsamkeit, Spititualität und was weiß ich.

Also Pilgern fällt bei Christine doch schon mal weg, oder?

Dann wäre es doch interessant, warum sie solche Extremtouren macht; gerade wenn in ihrem Buch wenig zu ihrer inneren Entwicklung steht. Und warum wenig zur durcheilten Landschaft und deren Geschichte vorkommt. Für mich wirkt das alles eher wie Rastlosigkeit. Ich habe mich schon mehrfach gefragt, was nach der West-Ost- und Süd-Nord-Durchquerung von Europa noch übrigbleibt...

Mario

Bleifuß

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #5 am: Februar 19, 2017, 13:07:32 Nachmittag »
Guten morgen,

wRum sollte es denn zwangsläufig eine innere entwicklung geben?

es gibt natürlich menschen die in ihrer klrinrn gewohnheitswelt leben, die dann auf einmal ganz andere seiten an sich entdecken.

aber ne menge menschen sind schon aufgeschlossen gegenüber dem neuen und fremden und sind naturverbunden aufgewachsen. da ist das dann im grunde ja nix neues. nur ne ne neue umgebung.
Erfahrungen sammelt man auf jeden Fall, aber muss man irgendwas in sich finden und sich verändern?

Kann doch einfach ein hobby bzw. eine Leidenschaft sein. Oder ne selbstverwirklichung.

Grüße

Hedi

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #6 am: Februar 19, 2017, 16:15:16 Nachmittag »

Interrssant zu wissen wäre, was sie bei ihrer Buchvorstellung berichtet. Ob sich dies unterscheidet. Ich kann dazu leider nichts sagen, weil das Vergnügen hatte ich noch nicht. Vielleicht mag ja jemand aus dem Forum berichten, die ihre Buchvorstellung erlebt haben.    Hedi
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Pia.

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #7 am: Februar 19, 2017, 16:44:08 Nachmittag »
Rezension: Klarer Fall von Buch schlecht gelesen. Ich kenn allerdings auch ihren Lesung, sie hat ihre erste bei uns gehalten und wir treffen uns immer wieder mal. Hier haben wir es eher mit einem neidlos anzuerkennenden: Wer kann, der kann! zu tun. Sie hat schon gefunden. Nämlich dass Lebenszeit unsere wichtigste Ressource ist. Sie hat Entscheidungen schon getroffen, über die andere noch gar nicht nachgedacht haben bzw. sich noch nicht getraut haben nachzudenken. Ihr Leben hat sie so geführt und sie hat ja gesagt. Das Wort Autismus ist eine Unverschämtheit hier, sowohl Autisten wie Christine gegenüber. Es ist ihr ureigener Weg, den viele so nicht gehen können und wollen. Für sie ist es gut! Und zum Thema Spiritualität: Nach ihrem  Vortrag sagte der eine Herz-Jesu-Priester: Das ist das pure Evangelium...Sie sagt: Probier mal, 15.000 km auf 280 Seiten unterzubringen, wo jeden Tag so viel passiert. Wäre noch ne Menge zu zu sagen...
BC Christine!
Gabriele

Mario d'Abruzzo

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #8 am: Februar 19, 2017, 18:07:39 Nachmittag »
Hi Pia,

Und zum Thema Spiritualität: Nach ihrem  Vortrag sagte der eine Herz-Jesu-Priester: Das ist das pure Evangelium...

das klingt ziemlich gut. Hätte ich gerne erlebt...

Mario

beemaster

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #9 am: Februar 19, 2017, 19:11:34 Nachmittag »
Rezension: Klarer Fall von Buch schlecht gelesen. Ich kenn allerdings auch ihren Lesung, sie hat ihre erste bei uns gehalten und wir treffen uns immer wieder mal. Hier haben wir es eher mit einem neidlos anzuerkennenden: Wer kann, der kann! zu tun. Sie hat schon gefunden. Nämlich dass Lebenszeit unsere wichtigste Ressource ist. Sie hat Entscheidungen schon getroffen, über die andere noch gar nicht nachgedacht haben bzw. sich noch nicht getraut haben nachzudenken. Ihr Leben hat sie so geführt und sie hat ja gesagt. Das Wort Autismus ist eine Unverschämtheit hier, sowohl Autisten wie Christine gegenüber. Es ist ihr ureigener Weg, den viele so nicht gehen können und wollen. Für sie ist es gut! Und zum Thema Spiritualität: Nach ihrem  Vortrag sagte der eine Herz-Jesu-Priester: Das ist das pure Evangelium...Sie sagt: Probier mal, 15.000 km auf 280 Seiten unterzubringen, wo jeden Tag so viel passiert. Wäre noch ne Menge zu zu sagen...
BC Christine!
Gabriele

Mir kams genau so: Schlecht gelesen, oder vielmehr: Mit einem Vorurteil gelesen.

Mario d'Abruzzo

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #10 am: Februar 19, 2017, 19:26:18 Nachmittag »
Hi Pia,

Das ist das pure Evangelium...

kannst Du das mal ein wenig ausführen?

Mario

Hedi

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #11 am: Februar 20, 2017, 09:27:00 Vormittag »

Danke Pia, für deine Ausführung. Das fühlt sich für mich nun ganz anders an.  Hedi
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Pia.

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #12 am: Februar 20, 2017, 20:35:23 Nachmittag »

kannst Du das mal ein wenig ausführen?

Mario

Die 3 US-Trails unterscheiden sich gewaltig vom Pilgern auf dem Jakobsweg, dagegen ist der CF, der für viele hier ein Riesenerlebnis ist, eigentlich ein Spaziergang. Es gibt kaum Herbergen, man übernachtet im Zelt, bekocht sich in er Regel selbst, die Lebensmittel dafür trägt man über Tage mit sich und muss sie gut einteilen und muss parallel dazu jedes Lebensmittel bärensicher verstauen. Der Weg ist ungemein rauher, wechselt zwischen Wüstehitze, hohen Bergen, Wäldern, Geröll- oder Schneefeldern und hat gewaltige Höhenmeterunterschiede. Manchmal trifft man tagelang auf keine Ortschaft. Während sich auf dem CF das ganze Jahr ca. 200.000 Leute bewegen, ist es in dem Zeitfenster April bis Oktober ein überschaubares Grüppchen von ein paar hundert Leuten, die den ganzen Weg - jeweils mehrere tausend km wandern.
Die gute Nachricht war besonders das Feststellen der genußvollen Beschränkung unterwegs, die erhebende Freude an der Schöpfung und dem 24-stündigen Aufenthalt in der Natur, die Unwichtigkeit von Äußerlichkeiten, das mit sich selbst eins werden unterwegs, Zeit mit sich selbst genießen aber auch die Gemeinschaft und Freundschaft und das Teilen der Wanderer untereinander, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Trail Angels, also der Anwohner, die die "Fremden" durch Unterkunft, Transportdienste, Nahrungsmittel, Auffüllen von Wasserdepots etc. unterstützen. Wir freuen uns ja über ähnliches auch beim Pilgern, doch auf dem Trail ist diese Hilfe noch viel notwendiger und die Freude über Hilfe und Wasser entsprechend noch viel größer. The trail provides - der Weg sorgt für einen, diese Erfahrung machen viele. Die meisten von uns ahnen,  dass "the trail" Gott ist, der Menschen bewegt und begeistert, zu Begegnungen führt, behütet und beschützt usw. Große und beständige Dankbarkeit, Erfahrung von Gnade. Geben und empfangen können. Wachsende Freiheit von Angst. Echtes Glück in den kleinen Dingen des Lebens finden und Aufmerksamkeit dafür entwickeln. Auf ihrem 3. Trail macht sie die Erfahrung, dass nur noch sie selbst entscheidet, wie ihre Tage aussehen, wie gut sie mit sich umgeht, es gibt kein außen mehr, dass sie davon abhält, genau sie selbst zu sein, zu tun und zu lassen, was sie für richtig hält, und gut für sich zu sorgen. Den inneren Druck auf sich selbst nachlassen können - wollen statt müssen. Das eigene Leben wirklich gestalten zu können. So habe ich es jedenfalls herausgehört und herausgelesen. Ganz viel davon ist das, was uns Jesus ans Herz legt. Christine zeigt durch ihr Leben, dass es anders geht als viele glauben. Das wir das Geschenk des Lebens wichtig nehmen dürfen.

Christine - wenn Du dies irgendwann liest: ich hoffe, ich habe Dich richtig verstanden.

Mario d'Abruzzo

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #13 am: Februar 20, 2017, 22:56:24 Nachmittag »
Hi Gabriele,

ja klar, das 'betreute Wandern' in Spanien hat mit Christines Trails nichts gemeinsam. Mit dem AT, dem Appalachian Trail, hab' ich mich ja schon etwas auseinandergesetzt durch Bücher und Filme. Nicht nur mit Bill Bryson ;-)

Die gute Nachricht war besonders das Feststellen der genußvollen Beschränkung unterwegs, die erhebende Freude an der Schöpfung und dem 24-stündigen Aufenthalt in der Natur, die Unwichtigkeit von Äußerlichkeiten, das mit sich selbst eins werden unterwegs, Zeit mit sich selbst genießen aber auch die Gemeinschaft und Freundschaft und das Teilen der Wanderer untereinander, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Trail Angels, also der Anwohner, die die "Fremden" durch Unterkunft, Transportdienste, Nahrungsmittel, Auffüllen von Wasserdepots etc. unterstützen.

Das Evangelium, die Armut und Funktionsklamotten? Ich weiß nicht so recht... Also, wenn das alles auch für Schwarze oder offensichtliche Mexikaner gelten würde, okay, dann würde ich es glauben...

Danke für Deine ausführliche Schilderung!

OT: Für Freitag, den 14. Juli hab' ich mir einen kleinen Berlinfußmarsch zurechtgebastelt: Konradshöhe→Tegeler Fähre→Wyclef-, Zwingli-, Calvin- u. Melanchthonstraße→Nikolaikirche. Die Marienkirche hab' ich noch nicht entdeckt, aber wenn die am Alex liegt, passt es ja. Abends dann das Treffen mit Euch und dem Beamer. Wo muss ich denn da dann hin?

Mario

Pia.

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Re: taz Kurzkritik „Laufen. Essen. Schlafen.“
« Antwort #14 am: Februar 21, 2017, 20:12:23 Nachmittag »
Das Evangelium, die Armut und Funktionsklamotten? Ich weiß nicht so recht... Also, wenn das alles auch für Schwarze oder offensichtliche Mexikaner gelten würde, okay, dann würde ich es glauben...
Das sind Leute aus aller Welt...und weder Schwarze noch Mexikaner ausgeschlossen. Ich weiß jetzt nicht, worauf Du hinaus willst. Was sie sagt und beschreibt, das ist partiell die Verwirklichung von Gottes Reich. Vielleicht kann ich es nur nicht so richtig wiedergeben. Funktionsklamotten sind darüberhinaus keine Sünde, sondern sinnvoll.

Zitat
OT: Für Freitag, den 14. Juli hab' ich mir einen kleinen Berlinfußmarsch zurechtgebastelt: Konradshöhe→Tegeler Fähre→Wyclef-, Zwingli-, Calvin- u. Melanchthonstraße→Nikolaikirche. Die Marienkirche hab' ich noch nicht entdeckt, aber wenn die am Alex liegt, passt es ja. Abends dann das Treffen mit Euch und dem Beamer. Wo muss ich denn da dann hin?
Die beiden Kirchen liegen nicht weit auseinander. Wie immer werde ich den Abend hier vorher ankündigen. Auf der Webseite www.pilgerforumberlin.wordpress.com findest Du unsere Adresse samt Karte und Bildern. Die Greifswalder Straße ist die Verlängerung der Leipziger Str. und Otto-Braun-Str., die südlich am Alexanderplatz vorbeiläuft. Vom S Alex mit der Tram M4 4 Stationen bis Hufelandstraße.