Autor Thema: Vater und Sohn in 11 Tage Porto-Santiago  (Gelesen 4021 mal)

MichaelundKilian

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Re: Vater und Sohn in 11 Tage Porto-Santiago
« Antwort #30 am: Oktober 12, 2017, 08:52:23 Vormittag »
Einen schönen Tag in die Runde,

bei uns fängt es wieder an zu kribbeln und mein Großer und ich möchten nächstes Jahr wieder Pilgern.

Wir werden um die Osterzeit wieder ca. 14 Tage einplanen…Nur jetzt kommt die große Frage?
Welchen Weg können/möchten wir gehen…Mein Traum die „Via de Plate“ wird es wohl nicht werden.

Nur einen Teil laufen kommt für uns nicht in Frage…

Habt Ihr vielleicht Vorschläge für uns?

Danke im Voraus und viele Grüße,
Michael und Kilian
2017 Caminho Português

Via2010

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Re: Vater und Sohn in 11 Tage Porto-Santiago
« Antwort #31 am: Oktober 12, 2017, 11:12:52 Vormittag »
Hallo,

eine Möglichkeit wäre der Primitivo, der in gängigen Etappenvorschlägen von 13 Lauftagen ausgeht.

Oder Camino Inglés und anschließend Weiter nach Finisterre und Muxía.

Ich bin in den Osterferien mal mit meinem Neffen den Francés ab Astorga gelaufen, weil der unbedingt die Highlights des bekannten "Weges" sehen wollte. Eine andere Möglichkeit am Francés ist der Zubringerweg vom Somport runter, das aber zu der Jahreszeit noch Schnee haben könnte.

Die Via würde ich an Deiner Stelle auch nicht rund heraus verwerfen, es ist nicht so schlimm, längere Wege in 2-3 Etappen zu splitten. Da hat man immer noch was, worauf man sich freuen kann. In gut 14 Tagen solltet Ihr von Sevilla bis Cacerés kommen können. Oder Ihr nehmt Euch das letzte Teilstück vor, ab der Abzweigung in La Granja de Moreruela (Camino Sanabrés).

Wenn ihm Portugal gut gefallen hat, ist auch der Beginn des portugiesischen Weges ab Lissabon eine Möglichkeit. Allerdings würde ich da die ersten 100 km bis Santarém überspringen, damit es mit der Zeit hinhaut. Bis Santarém waren doch einige weniger schöne Abschnitte dabei.

Vorab solltest Du klären, wie wichtig Deinem Sohn ein erneutes Ankommen in Santiago ist.

BC
Alexandra

❀Sabine❀

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Re: Vater und Sohn in 11 Tage Porto-Santiago
« Antwort #32 am: Oktober 13, 2017, 22:01:48 Nachmittag »
Hallo Michael und Kilian :)

Meiner Meinung nach hat Alexandra euch schon richtig gute Tipps gegeben.
Ich habe in deinem Profil mal deine Beiträge gelesen, weil ich sehen wollte, ob ich etwas mehr über eure Vorlieben erfahren kann.
Die Sache mit dem Fußball. Das kenne ich. ;)
Was liebt ihr beide denn?
Was ist euch wichtig?
Mit diesem Wissen ist es einfacher, euch einen Weg zu empfehlen.
So bleibt mir, an alle Caminos in Spanien zu denken, die ich gegangen bin und an mich zurück denken, als ich ein kleines Mädchen war. Fällt mir leicht.
Was war spannend für mich?
Natur! Wald! Tiere! Das Meer!
Entdecken, klettern, rennen, hüpfen und bolzen. :)
Und mein Papa, der mir die Welt erklärt.

Für mich die schönste aller Möglichkeiten:
Ab Pamplona den Camino de Baztán (rückwärts) bis Bayonne.
Dein Kind erlebt Spanien und Frankreich.
Einen eher weniger begangenen, aber sehr gut markierten Camino mit Schlamm, Tieren, vor allem sehr vielen Pottok Ponys, dir sehr verschmust  sind, moosigen traumhaften Wäldern, kleinen Bächlein, der ganze Zauber der atlantischen Pyrenäen :) und einer ziemlich guten Infrastruktur.
Herbergen, Casa rural mit Familienanschluss,  kickende Kinder in den Dörfern.
Ein wirklich wunderschöner Camino.
Mit deinem Sohn würde ich vier bis fünf Tage rechnen.
Bayonne ist eine wunderschöne Hafenstadt.
Hier folgt ihr der Via Bayona bis  Irún.
Eigentlich eine Etappe mit circa 40 km.
Die könnt ihr splitten.
Bis Bidart. Und dann weiter bis Hondarribia.
Oder ihr nehmt den Bus/Zug von Bayonne bis Hendaye, wenn ihr das möchtet.
Von Irún (mit der besten Eisdiele des Landes, behaupte ich mal) bzw. ab Hondarribia könnt ihr der Talaia bidea litoral folgen.
Talaia bidea litoral bedeutet in ihrer gesamten Länge allerdings mehr als 30 km und führt über den Jaizkibel und den Monte Ulia nach Donostia (San Sebastián).
Dieser Weg ist berührend schön!
Wichtig ist Schwindelfreiheit.
Teile des Weges sind gesichert mit einem Seil.
Auf dem Monte Ulia geht es zwei Mal über schmale Betonstege (diese ungesichert, ca. 30 cm breit) aber nur ein paar Meter,  einmal durch einen engen Tunnel.
Auf diesem gesamten Weg seht ihr wilde Pferde, Schafe, Kühe, sehr viele Vögel, atemberaubende Aussichten auf den Atlantik, ein Märchenwald mit riesigen Farnen,  schmalen, verschlungenen Pfaden, Quellen, Wiesen, bizarre Felsformationen.
Ich liebe diesen Weg.
Und wenn dein Junge sportlich ist und gerne klettert (ganz einfache, kurze Kletterei) dann wird das ein Paradies für ihn sein.
Ich weiß, dass Kinder leider oft unterschätzt werden und sie meist eine bessere Ausdauer haben als die Großen. :)
Trotzdem würde ich dir empfehlen, die Talaia bidea litoral zu teilen.
Auch wenn Kilian sonst ca. 30 km wandert ohne Probleme.
Von Irún oder Hondarribia würde ich nur bis Pasai Donibane wandern.
Dann bleibt genug Zeit, auf dem Jaizkibel die Tiere zu streicheln, zu picknicken, ein Nickerchen zu machen, die Aussicht zu genießen und Pasai Donibane ist zwar klein, aber hübsch und eine Übernachtung wert. Es gibt immer frischen Fisch und Schiffe zum Bestaunen.
Am nächsten Tag könntet ihr schön ausschlafen, mit dem Boot für 70 Cents rüber schippern und dort ausgeruht auf den Monte Ulia steigen, um in die bezaubernde Stadt San Sebastián zu gelangen.
In der Albaola Factoria auf der anderen Uferseite, werden Schiffe aus Holz gebaut.
Spannend. Zeit genug bei Interesse.
Zum Ulia hoch geht es bequem über Stufen und dann könnt ihr wieder entscheiden, ob ihr dem Camino folgt (markiert) oder ob ihr weiter der Talaia bidea litoral folgt.
Die Talaia ist kaum zu erkennen, versteckt hinter Palmen.
Aber der Weg ist da. :)
Nur gehen bei trockenem Wetter!

Alternativ zu meiner Beschreibung könnt ihr auch dem GR über den Jaizkibel folgen und auf dem Ulia ebenso.
Das ist mittlerweile der übliche Weg.
Von San Sebastián bis Bilbao sind es dann noch mal 5 bis 6 Tage zu wandern.

Für mich persönlich ist der Teil von Irún nach Bilbao der schönste Teil des gesamten Camino del Norte.
Solltest du eines Tages den Camino del Norte gehen wollen, wirst du nicht wirklich traurig sein, diesen Abschnitt zu wiederholen.

Anreise Pamplona und Abreise Bilbao ist auch unkompliziert.

Liebe Grüße auch an Kilian, den kleinen, großen Pilger.
Buen Camino,
Sabine

MichaelundKilian

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Re: Vater und Sohn in 11 Tage Porto-Santiago
« Antwort #33 am: Oktober 16, 2017, 09:54:00 Vormittag »
Hallo Alexandra, hallo Sabine,

erst einmal vielen Dank für eure super Tipps 

Ich glaube die Via werde ich mal „später“ oder mit meiner Frau laufen, wenn die Kinder etwas älter sind, aber ich werde ihn laufen 
Alleine um mal in meiner alten „Heimat“ Sevilla zu starten…wir haben dort ein paar Jahre gelebt und vermissen es..

Was lieben wir beide? Er liebt die Berge, Abenteuer und ich auf jeden Fall die Ruhe…für mich würde der CF nicht in Frage kommen…
Wichtig ist uns (mir) etwas Sicherheit und auf keinen Fall ein rennen auf freie Betten. Einfach eine schöne Zeit zusammen, nette Menschen…

Mir gefällt der Camino Primitivo immer mehr… Ich habe mir im Netz einige Berichte angeschaut. Der von Herrn Rudolf Fischer hat mir sehr gefallen. Kann ich nur empfehlen..

Ist natürlich, im Vergleich zum CP rund 100 Km weiter und sicher etwas anspruchsvoller, wenn ich mir das Höhenprofil anschaue..

Aber auch hier wird es bestimmt die Möglichkeit geben, wenn von Nöten, 1-2 Etappen zu überspringen.

Etwas Kopfschmerzen habe ich in Bezug auf das Wetter, da die Osterferien noch früher als letztes Jahr sind 

Freu mich jetzt schon wieder auf das Training „auf“ unseren Camino vor der Haustür 

Liebe Grüße von uns beiden..

Michael und Kilian,
2017 Caminho Português