Autor Thema: ☯️ 2018 ☯️ Wilde Wege, stille Dörfer ☯️ 68 giorni con 68 anni ☯️  (Gelesen 1664 mal)

Mario d'Abruzzo

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Re: ☯️ 2018 ☯️ Wilde Wege, stille Dörfer ☯️ 68 giorni con 68 anni ☯️
« Antwort #15 am: Oktober 03, 2017, 13:06:44 Nachmittag »
Coelestin V. starb am 19. Mai 1296 mit 81 Jahren
nach 9 Monaten Internierung auf dem Castello di Fumone.
(YouTube-Link)

Zitat (Quelle): "Benedetto Caetani, der als Papst Bonifatius VIII. und Favorit Karls II. Coelestins Nachfolger wurde, wollte ihn nach seiner Abdankung in Verwahrung nehmen, um eine Kirchenspaltung (Schisma) zu verhindern. Coelestin konnte jedoch bei seiner Überführung nach Neapel entkommen und floh über Sant’Onofrio nach Rodi Garganico, von wo er mit einem Schiff Griechenland erreichen wollte. Der bei Vieste erlittene Schiffbruch führte aber zu seiner Festnahme. Bonifaz ließ ihn erst in Anagni, dann ab August 1295 im wenig östlich gelegenen Castello di Fumone, nordwestlich der modernen Provinzhauptstadt Frosinone in der Region Lazio, in Ehrenhaft halten, wo er am 19. Mai 1296 eines natürlichen Todes starb. Seinen Ordensbrüdern gelang es 1326, seine Gebeine nach L’Aquila zu holen und in Santa Maria di Collemaggio beizusetzen, wo um 1500 ein prunkvolles Grabmal geschaffen wurde. Nach der schweren Beschädigung dieser Kirche durch das Erdbeben von L’Aquila am 6. April 2009 wurde der unversehrt aus den Trümmern geborgene, gläserne Reliquienschrein Coelestins V. in die Krypta der Kathedrale von Sulmona übertragen.
[...]
Ignazio Silone ging in seinem Roman Das Abenteuer eines armen Christen (1968, deutsch 1969) „den Spuren einer Utopie“ nach und dem geistlichen Abenteuer eines armen Christen, dessen Frömmigkeit die Versuchungen der Macht nichts anhaben können, der jedoch den Rankünen kirchlicher und weltlichen Politik nicht gewachsen ist.
"

Heute Nacht hab' ich das Büchlein ausgelesen und heute vormittag überlegte ich mir, wo denn dieses Castelle di Fumone zu finden ist. Neben dem Michaelskult ist jetzt dieser Einsiedler, der als Papst zurücktrat, nun ein Hauptthema meiner Pilgerwanderung zum Monte Sant'Angelo geworden. Nachdem ich seinen Geburtsort, seine Wirkungsregion in der Majella und Sulmona und nicht zuletzt seinen Schiffbruch auf der Flucht nach Griechenland inahe Vieste  schon eingebunden habe, möchte ich nun auch seinem Sterbeort einen kurzen Besuch abstatten. Dazu übernachte ich gegen Ende der Gargano-Rundwanderung nicht in Manfredonia, sondern fahre am Nachmittag dieses 1. Oktobers 2018 mit Bus und Bahn gleich nach Ferentino und laufe die etwa 6 km nach Fumone. Am nächsten Tag dann mit der Bahn am späteren Nachmittag weiter nach Assisi. Müsste eigentlich klappen. Dann bin ich dort rechtzeitig zu den Feierlichkeiten für Franz von Assisi am 3. und 4. Oktober...

Castello di Fume • Besuch am 2. Oktober 2018 (Link auf meine Website)

Mario
« Letzte Änderung: Oktober 08, 2017, 15:37:39 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

Mario d'Abruzzo

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Re: ☯️ 2018 ☯️ Wilde Wege, stille Dörfer ☯️ 68 giorni con 68 anni ☯️
« Antwort #16 am: Oktober 07, 2017, 22:38:25 Nachmittag »
Abbazia di Montecassino (YouTube-Link • Musik: "Forrest Gump Suite" von Alan Silvestri)

Ich hab' was Neues zum Anschauen entdeckt: Das Kloster Montecassino. Cassino liegt genau auf der Eisenbahnstrecke von Foggia nach Ferentino, auf der ich sowieso unterwegs bin. Montecassino ist der Endpunkt des Benediktweges, der in 16 Etappen über 320 km von Norcia her über Subiaco nach Cassino führt.

Ich werde dort übernachten (zentral gelegenes Einzelzimmer mit Frühstück für 18,- € über booking.com), dann vormittags zum Kloster hochlaufen und anschließend mit dem Bus direkt zum Bahnhof zurückfahren.

Danke für den Tipp mit den Businfos!

Anschließend mittags weiter mit der Bahn nach Ferentino und dann zum Castello di Fumone, wo der 80 jährige, zurückgetretene Papst Cölestin V. bis zu seinem Tod mit 81 interniert war...

Der Plan 2018 inkl. Montecassino auf dem Rückweg (rot: laufen; blau: fahren).

Mario
« Letzte Änderung: Oktober 08, 2017, 15:35:56 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

Mario d'Abruzzo

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Re: ☯️ 2018 ☯️ Wilde Wege, stille Dörfer ☯️ 68 giorni con 68 anni ☯️
« Antwort #17 am: Oktober 09, 2017, 17:33:34 Nachmittag »
Arcangelo Michele è la prima generazione dopo Francesco.

Das soll jetzt so in etwa das Motto meiner Pilgerreise 2018 werden. Seit der Papstwahl am 13.März 2013 dreht sich bei mir alles um den Franziskusweg. Inzwischen unterscheide ich auch die mehr touristischen Wanderwege von Florenz nach Rom von einer eher spirituell angelegten Wegführung. Das hat zwei, drei Jahre gedauert, bis ich die Intension der Pilgerbuch-Autorin Angela Maria Seracchioli verstanden habe. Eigentlich erst mit ihrem zweiten Buch, das den Weg von Poggio Bustone nach Monte Sant'Angelo beschreibt. Diesen Freitag werde ich Angela ja kurz in Frankfurt auf der Buchmesse persönlich kennenlernen...

:-)

Wörtlich aus dem Italienischen übersetzt kann man die Titel ihrer beiden Bücher Di qui passò Francesco und Con le ali ai piedi folgendermaßen zusammenfassen:

Auf den Spuren von Franziskus ... mit Flügeln an den Füßen

Auf Deutsch heißen beide Bücher etwas banal Der Franziskusweg und Der Erzengel-Michael-Weg...



Es gibt durchaus eine moderne Franziskusforschung, auch eine Forschung, bei der Santa Chiara, die heilige Klara, aus Francescos Schatten heraustritt. In der Vergangenheit gab es ja jede Menge peinlichen Kino-Kitsch um diese beiden unabhängigen Persönlichkeiten (z.B. Bruder Sonne, Schwester Mond von 1972 • Zitat: (Quelle): "Leider bleibt die religiöse Dimension stark unterbelichtet, Franz wirkt eher wie ein Aussteiger, der die Einheit mit der Natur sucht - weniger mit Gott.").

Drei Autoren beschäftigen sich auf hohem Niveau mit dem Bürgersohn Giovanni di Bernardone aka San Francesco und der Adligen Chiara di Favarone aka Santa Chiara:


Besonders bei Prof. Feld wird klar, dass Franziskus, sogar schon vor seinem Tode, von der Amtskirche in Rom völlig für die eigene Machtausübung instrumentalisiert wurde. Aus dem geistigen Revolutionär wurde ein ganz lieber, etwas einfältiger Tierprediger.

Franz von Assisi (Doku) 1/3 YouTube-Link; Dauer 14:29

Franz von Assisi (Doku) 2/3 YouTube-Link; Dauer 13:58

Franz von Assisi (Doku) 3/3 YouTube-Link; Dauer 14:41

Die beiden ersten zeitnahen Biographien mussten sämtlich verbrannt werden (war nicht gänzlich gelang), Franziskus' spirituelles Testament wurde sofort für ungültig erklärt etc. Das alles war ein Problem für viele Franziskaner der ersten Generation nach Franziskus, denen es nicht um Macht und Privilegien ging, sondern die sich nur an Franziskus orientieren wollten (Die 'Spiritualen'). Bald wurden sie als Ketzer verfolgt und endeten oft auf dem Scheiterhaufen. In dieser Zeit, immer noch im 13. Jahrhundert, lebte nahe Sulmona im Majella-Massiv, einem Teil der Abruzzen, der franziskanische Eremit und Ordensgründer Pietro Angelerio. Der Autor der Abruzzen, Ignazio Silone+, ein Christ ohne Kirche und Sozialist ohne Partei, wie ich schon mehrfach geschrieben habe, hat dieses Buch 'Das Abenteuer eines armen Christen' geschrieben. Darin wird, neben dem Schicksal Pietro Angelerios als Papst Coelestin V., die Verfolgung der 'freien' Franziskaner geschildert; also der Franziskaner-Brüder, die sich nicht in einem Franziskanerkloster kasernieren lassen wollten, weil dort die eigentliche Lehre Franziskus' verboten war und sie statt dessen als Einsiedler in Höhlen leben wollten...

Mario

+ Manès Sperber über Ignazio Silone: „Das Abenteuer eines armen Christen“ • Zitat (Quelle): "DER PAPST, DER ABDANKTE
Manès Sperber, 63, Schriftsteller und Ex-Kommunist, in Wien aufgewachsen und heute in Paris lebend, schrieb die Romantrilogie um einen heimatlosen kommunistischen Revolutionär „Wie eine Träne im Ozean“ sowie die Essay-Bände „Die Achilles-Ferse“ und „Zur täglichen Weltgeschichte“.
"Mein Gott, steh mir bei, damit ich lebe, ohne je zu verraten." Mit dieser heimlichen Bitte beendete der Gymnasiast Secondo Tranquilli [aka Ignazio Silone] seine täglichen Gebete im katholischen Internat. Der am 1. Mai 1900 in Pescina geborene Sohn eines Landwirts hatte mit 14 Jahren seine Familie und sein Heim verloren: Ein Erdbeben hatte in einer Nacht das Städtchen und die meisten Einwohner vernichtet.
Dem ersten Exil des früh Verwaisten folgte etwa zehn Jahre später das zweite, als Italien faschistisch war. Tranquilli, der sich 1917 der revolutionären Bewegung angeschlossen hatte -- eben um nicht zu verraten, das heißt um nicht ein Komplice der Unterdrücker, Ausbeuter und Betrüger zu werden -, gehörte zu den Gründern der kommunistischen Partei Italiens und wurde einer ihrer Führer." Zitiert nach dem SPIEGEL vom 19.05.1969 Anmerkung: Der Artikel von 1969 wurde für die Internetseite mit OCR-Software (Texterkenung) erstellt und weist deshalb verschiedene Fehler auf. Es ist aber auf der Seite dieses Artikels auch eine originale PDF-Version ladbar...
« Letzte Änderung: Oktober 10, 2017, 11:52:37 Vormittag von Mario d'Abruzzo »

Mario d'Abruzzo

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Re: ☯️ 2018 ☯️ Wilde Wege, stille Dörfer ☯️ 68 giorni con 68 anni ☯️
« Antwort #18 am: Oktober 11, 2017, 10:25:23 Vormittag »
Mit zwei Hunden heute auf 2.388 m zum Rifugio Duca degli Abruzzo

Nach dem Cammino di Assisi letztes Jahr und dem Camino Primitivo in diesem Frühjahr laufen zwei Wanderfreundinnen von mir mit ihren beiden Hunden (Dogge Selina und Germanischer Wolfshund Bärenhund Pepe) gerade die große Tour aus Hentigs Buch 'Wilde Wege, stille Dörfer' im Gran Sasso-Nationalpark.

Heute geht es zum höchsten Punkt auf fast 2.400 m zum Rifugio Duca degli Abruzzo, das im Oktober nicht mehr bewirtschaftet wird und lediglich drei Notbetten bietet. Insgesamt 15,6 km, 1.812 m hoch und 198 m runter.

Wer die Tour verfolgen möchte wird auf Facebook (wohl auch ohne dort registriert zu sein) fündig:

https://www.facebook.com/selinaundpepe/ (Tolle Landschaftsfotos und Video-Clips, z.B. einer Maultier-Karawane)

Rifugio Duca degli Abruzzo (Der YouTube-Clip zeigt die Seilbahnfahrt von Fonte Cerreto hinauf zum Campo Imperatore und die kurze Wanderung zum Rifugio; allerdings zu einer Jahreszeit, die dort einen Besuch im ärmellosen Shirt erlaubte.)

Das Rifugio Duca degli Abruzzo liegt 300 Höhenmeter über dem Campo Imperatore. Von dort aus deckt sich die 12-Pfoten-Route zwei Tage lang mit meiner Pilgerreise im nächsten Jahr. Ich werde dann allerdings nach Forca di Penne zum Sentiero dello Spirito abbiegen. Ab Sulmona sind die beiden Trails dann wieder zwei Tage identisch.

Mario
« Letzte Änderung: Oktober 12, 2017, 21:57:18 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

Mario d'Abruzzo

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Re: ☯️ 2018 ☯️ Wilde Wege, stille Dörfer ☯️ 68 giorni con 68 anni ☯️
« Antwort #19 am: Oktober 11, 2017, 21:41:50 Nachmittag »
Uff...

Jetzt sind die vier falsch gelaufen und als der Weg, der ungewollt auf den Corno Piccolo (2.655 m) geführt hätte, nur noch mit einem Seil gesichert war, haben sie ihren Hunden umgedreht. Wahnsinns-Höhenmeter...

Mario

Edit: Falls es jemanden interessiert, hier ein Kartenausschnitt (blau = heute; rot = morgen)
« Letzte Änderung: Oktober 11, 2017, 22:04:03 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

Mario d'Abruzzo

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Re: ☯️ 2018 ☯️ Wilde Wege, stille Dörfer ☯️ 68 giorni con 68 anni ☯️
« Antwort #20 am: Oktober 12, 2017, 22:19:17 Nachmittag »
Auf 2.400 m hoch und wieder runter auf 1.000 m

Mit meinen vier Gran Sasso-Wanderern hat heute alles geklappt. Voll krass die Bilder teilweise, wenn man Gebirgswandern nicht kennt. Und das alles mit schwerem Rucksack und Hund an der Leine. Meine Hochachtung.

Auf dem Campo Imperatore nach einem Geröllabstieg angekommen, stellte sich heraus, das da alles dicht war. Freundliche Italiener organisierten für die vier einen Bus, der sie hinunter nach Fonte Cerreto zu einem Hotel brachte. Die Seilbahn ist wegen der jährlichen Revision vor der Ski-Saison noch geschlossen.

Wunderbare Fotos (von da, wo man sich nicht gleichzeitig festhalten musste) und ein kurzer Clip, der zeigt wie so ein Hochgebirgspfad aussieht.

Fotos und Videoclip auf Facebook können wohl nur mit Facebook-Registrierung angeschaut werden. Wer die hat und sich dafür interessiert wird hier fündig.

Mario
« Letzte Änderung: Oktober 12, 2017, 22:24:35 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »