Autor Thema: Meine Via 2017  (Gelesen 365 mal)

Hola

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Meine Via 2017
« am: September 07, 2017, 08:42:26 Vormittag »
…dann möchte ich euch einmal von meiner Via de la Plata berichten….
Ende April war ich auf Teneriffa und da holte mich mein„ mein Freund „  wieder ein. Ich wurde wach und merkte es. Mehr oder weniger gut kam ich durch die nächste Zeit. Anfang Juni bin ich nach Südafrica geflogen um in Durban den www.comrades.com zu laufen. Dies war lange geplant und auch nicht gerade preiswert, nicht dorthin zu fliegen war keine Option. Recht ordentlich habe ich den Lauf absolviert ( 09:52 Std ). Bedingt durch dieses Erlebnis und Ablenkung ging es mir besser.
Am 13.06. flog ich mit Ryanair nach Malaga um von dort mit ALSA nach Sevilla zu fahren.
Es waren unglaubliche Temperaturen, überall waren Temperaturanzeigen die über 35°C – 40°C anzeigten.
In Sevilla suchte ich meine Unterkunft, Triana Backpackers (http://www.trianahostel.com/de/ ), auf.
Schöne, ruhige Unterkunft. Nachmittags noch ein bisschen Sightseeing und früh ins Bett.
Die erste Etappe ging bis nach Castilblanco de los Arroyos wo ich in der Municipal schlafen wollte. Weitere 8 Mitpilger waren schon dort, wobei ich nur 2 Pilger ab Sevilla überholt habe. Einen Letten sollte ich bis zum Schluss immer wieder sehen.
Am nächsten Morgen als letzter um 07:00 losgegangen, den ganzen Tag nur einen Pilger gesehen.
17 km Landstr, sehr schönes Naturschutzgebiet mit vielen verschiedenen Vogelarten, nach Almaden viel schwarze Scheine und hin und wieder Kühe. Gegen 16:00 in Real de la Jara . Direkt am Ortseingang die zweite Herberge aufgesucht und einen Radpilger angetroffen. Die tägliches Routine erledigt und etwas gegessen und früh schlafen Es war durch eine Klimaanlage angenehm kühl in der Herberge.
Am morgen früh wach gewesen und nach einem kleinen Frühstück im Ort gegen 07:00 losgelaufen.
Ziel war Fuente de Cantos, wo ich gegen 16:30 eingetroffen bin. Nur den Letten habe ich kurz vorher überholt.
In der Herberge (https://www.gronze.com/extremadura/badajoz/fuente-cantos/apartamentos-zaguan-plata )mit Pool war nur ein weiterer Radfahrer. Später verdunkelte sich der Himmel und ein kleines, heftiges Unwetter brachte etwas Abkühlung. Der Strom war eine Stunde weg und durch das Gewitter stand der Regen 10-15 Zentimeter hoch in den Straßen und die Außen Bestuhlung flog durch die Gegend. So schnell wie es kam war es vorbei.
Bedingt durch das Unwetter war der Weg ein bisschen Schwierig. Die Wege waren zum Teil sehr schlammig und ich musste durch 3 Furten, d.h. Schuhe aus und bis über die Knie im Wasser. Man sah nicht wo man hintrat. Meine Angst war das ich mit Rucksack komplett im Wasser lande. Ist aber gutgegangen und über Zafra bis nach Villafranca de los Barros ging es problemlos weiter. In der sehr schönen Herberge El Carmen waren noch 6 andere Pilger. Eine Französin sollte mich von da ständig begleiten, wir haben uns Abends immer wieder getroffen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück ( allein ) in der Herberge bin ich wieder gegen 6:45 losgegangen. Die kommen Strecke war schwer zu gehen, eine Schotterpiste mit vielen kleinen Steinen, staubig,schattenlos und kilometerlang gerade aus. Keine Ablenkung für das Auge, trostlos. Und deshalb nur bis Torremejia.Die einzig offene Herberge, Rojo Plata, war mir bekannt und ich war allein. Den ganzen Tag keinen anderen Pilger getroffen…
Über Merida ging es am nächsten Tag bis Aljucen wo ich in der schönen, komfortablen Herberge , Albergue Río Aljucén, mit der Französin allein war. Bedingt durch diese Hitze hat man in den Orten kaum Menschen angetroffen.
Mir ging es nicht gut und die ersten Gedanken ans Aufgeben wurden immer stärker.
Als nächstes Tagesziel hatte ich mir Valdesalor vorgenommen, bin aber nur bis Aldea del Cano gekommen. Die ganze Herberge hatte ich für mich allein und im Restaurant nebenan wurde ich richtig gut von den Besitzern umsorgt. Nachts ging die Temperatur nicht unter 30°C. Frühstück gab es am nächsten Morgen nicht, alles zu und ich hatte nichts eingekauft, habe es dann in Valdesalor nachgeholt. In Caceres mal eine ausgiebige Besichtigung gemacht und dann weiter bis Casar de Caceres wo ich mit der Französin in der Municipal geschlafen habe. Tags über war die Hitze unerträglich, ich komme damit sehr gut zurecht, mir macht das nichts. Trinken, Trinken, Trinken. Ich hatte immer eine 1,5 ltr Flasche dabei und aufgefüllt wenn’s möglich war.
Die Nachts war wieder so heiß, wir zwei schliefen nur mit Slip ohne uns zuzudecken.
Über den Tajo Staussee bin ich nach Canaveral gegangen wo ich / wir in der tollen, neuen Herberge genächtigt haben. Weitere 6 Radfahrer waren auch da.
Der nächste Tag ging für mich nach Carcaboso zur Herberge Señora Elena wo wir ein 2 Bettzimmer bekamen, ein weitere  slowenischer Pilger war anwesend.
Nach Aldenueva de Camino geht man durch eine sehr schöne Landschaft geprägt durch lichte Korkeichenwälder und Dehesas. Dort angekommen bin ich in die sehr komfortable Herberge
La Casa di Mi Albuela, sonst war alles, bis auf eine Bar, alles geschlossen.
Nach einer fast schlaflosen Nacht bin ich als letzter nach einem Frühstück aus der Herberge, der Lette und die Französin starteten schon immer im dunklen.
In Banos de Montemajor war dann Schluss für mich, nichts ging mehr. Ich habe für die 10 Kilometer fast drei Stunden gebraucht. Negative Gedanke ohne Ende, ich sage immer: der Mann mit der dunklen Decke hat mich eingeholt.
In Banos ist eine der wenigen Busstationen. Mittags ( Sonntag ) mit einen Bus nach Salamanca, um 17:00 Uhr nach Madrid. In der Busstation Mendez Alvaro/ Estation Sur unter Polizeischutz übernachtet um um 7:00 nach Barcelona und von da nach Düsseldorf mit Eurolines zu fahren. Dienstags um 18:00  nahm mich meine Tochter dort in Empfang.
Es war nach 8 Caminos mein letzter.
Kaum war ich zu Hause hatte ich einen Autounfall. Ein anderer Verkehrsteilnehmer hat mir die Vorfahrt genommen, Wirbelbruch, Knochenmarksödem, Nervenkanal dadurch verengt. Der linke Arm ist kraftlos und die Fingerspitzen gefühllos. Es wird nach 10 Wochen langsam besser.
Morgen fliege ich mit meiner Enkelin Jonna nach Teneriffa.
So das wars…..
Euch allen eine gute Zeit und denen die unterwegs sind ein Buen camino

Kurt

wer es nicht weiss, ich habe Depression. Deswegen bin ich seit 11 Jahren aus dem Berufsleben ( EU-Rente )



Rechtschreibefehler bitte ich zu Entschuldigen



Annkatrin

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Re: Meine Via 2017
« Antwort #1 am: September 07, 2017, 09:18:44 Vormittag »
Lieber Kurt,
vielen Dank für Deinen Bericht und die offenen Worte. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Gottes Segen für Deinen schwierigen Weg.

Liebe GRüße
Annkatrin
Niehuus-Itzehoe-Bremen-Osnabrück-Köln-Trier.
zu Hause-Lübeck-Lüneburg....
Pamplona-Leon- Santiago.

tsetse

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Re: Meine Via 2017
« Antwort #2 am: September 07, 2017, 14:11:28 Nachmittag »
Hola,
ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass es einen neunten Camino für Dich geben wird.
Vielleicht anders als die anderen acht. Vielleicht langsamer, vielleicht auf flacheren Wegen. Aber dafür mit guten Freunden in einer tollen Pilgergemeinschaft, die Deine Seele aufatmen lässt.
Allzeit buen camino

monika2010

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Re: Meine Via 2017
« Antwort #3 am: September 07, 2017, 15:29:52 Nachmittag »
Lieber Hola,

habe Deinen Bericht zweimal gelesen, ist mir sehr nahe gegangen obwohl ich Dich nicht persönlich kenne.
Und so wie tsetse schreibt - vielleicht gibt es doch wieder einen (anderen) Camino, der Glaube daran kann
Dich bei der Genesung unterstützen. Gib nicht auf!

Alles Gute wünscht Dir Monika2010.

Liebe Grüße,

Monika

❀Sabine❀

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Re: Meine Via 2017
« Antwort #4 am: September 07, 2017, 18:49:57 Nachmittag »
Hey Kurt,

ich wünsche dir Kraft, Licht und Menschen,. die dich verstehen.
Und hoffentlich einige gute Tage auf Teneriffa, trotz deiner schweren Krankheit.

Fühle dich fest und von Herzen umarmt.
Dazu müssen wir uns nicht kennen, denke ich.

Sabine
"Er hat klar erkannt, daß die Welt mehr bedroht ist durch die, welche das Übel dulden oder ihm Vorschub leisten, als durch die Übeltäter selbst."

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