Autor Thema: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)  (Gelesen 6008 mal)

Raimund Joos

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Hallo

Schaut mal hier - ich hoffe ja ich werde dann nicht zu viel stottern :-)

http://www.hr2.de/gespraech/doppelkopf/doppelkopf--am-tisch-mit-raimund-joos-pilgerprofi,id-doppelkopf-294.html

Bon Camino!

Raimund

Nachtrag am 26.02.
PS: Die Sendung wird am 27.02. zwei mal wiederholt.
http://www.hr2.de/gespraech/doppelkopf/doppelkopf--am-tisch-mit-raimund-joos-pilgerprofi,id-doppelkopf-474.html
« Letzte Änderung: Februar 25, 2018, 12:45:33 Nachmittag von Raimund Joos »

Mario d'Abruzzo

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #1 am: Oktober 14, 2017, 19:08:31 Nachmittag »
Hi Raimund,

klasse, ich drück' Dir die Daumen!

Mario
HOFFNUNG ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht. Václav Hável
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Hedi

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #2 am: Oktober 15, 2017, 09:02:22 Vormittag »
Ebenso, bin gespannt, wie intensiv so ein Gespräch werden wird. Hedi
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Mario d'Abruzzo

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #3 am: Oktober 15, 2017, 12:38:41 Nachmittag »
Hi Raimund,

ich zitiere mal aus der von Dir verlinkten 'Doppelkopf'-hr2-Seite:

Zitat (Quelle): "Aber langsam wird auch ihm der Jakobsweg zu touristisch, er scheint sich mehr und mehr zu einem normalen Weitwanderweg zu entwickeln. So schön es ist, dass immer mehr Menschen vom "Pilgervirus" befallen werden: Dass inzwischen fast flächendeckend "Pilger-WLAN" angeboten wird und sich eine Pilgerindustrie etabliert, gefällt dem Profipilger Joos ganz und gar nicht."

Das ist für mich total witzig, weil ich gerade gestern in meinem Von der Jakobisierung des 'Franziskusweges' • Kommerz vs. Spiritualität-Thread die offizielle Fremdenverkehrsorganisation des Rietitales erwähnt habe, die sich für ihren Cammino di Francesco (geschütztes Warenzeichen) einen 'pellegrino 2.0' wünscht, der, Zitat (Quelle): "Il pellegrino 2.0 è sempre connesso in rete, condivide il proprio percorso e le proprie emozioni." dt.: Der Pilger 2.0 ist immer mit dem Netz verbunden und teilt seinen Weg und seine Gefühle.)

Aber Lamentieren hilft ja nichts. Der Pilger 1.0 mutiert also unaufhörlich zum Klerikal-Touristen 2.0 Light. Nun ist die Frage, ob jemand eine Idee für den 'echten' Pilger 2.0 hat. Oder ob es eine Alternative zu dem Satz 'Die Kirchen werden immer leerer und die Pilgerwege immer voller.' geben kann.

Mario
« Letzte Änderung: Oktober 15, 2017, 12:40:26 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »
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Raimund Joos

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #4 am: Oktober 15, 2017, 18:22:37 Nachmittag »
Hi Raimund,

ich zitiere mal aus der von Dir verlinkten 'Doppelkopf'-hr2-Seite:

Zitat (Quelle): "Aber langsam wird auch ihm der Jakobsweg zu touristisch, er scheint sich mehr und mehr zu einem normalen Weitwanderweg zu entwickeln. So schön es ist, dass immer mehr Menschen vom "Pilgervirus" befallen werden: Dass inzwischen fast flächendeckend "Pilger-WLAN" angeboten wird und sich eine Pilgerindustrie etabliert, gefällt dem Profipilger Joos ganz und gar nicht."

Die Aussage stammt nicht von mir direkt sondern ist im Kern wohl die Interpretation meines Nachwortes zur 3. Auflage des im gleichen Text genannten Buches.  Ich würde das einwenig anderst ausdrücken - habe aber auch nicht sehr viel gegen die oben genannte Formulierung einzuwenden.

Bon Camino
Raimund

HaraldW

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #5 am: Oktober 15, 2017, 19:55:32 Nachmittag »
Hallo Raimund,
ich bin sehr gespannt auf das Gespräch. Habenichts den 30.10. mal als Termin eingetragen.
Und, ja, der Weg wird sicher immer touristischer und so Gott will auch immer kommerzieller. Das war er aber auch schon in den frühesten Anfängen. Durch die Kraft des Weges kamen immer mehr, einige blieben gleich da und gründeten die vonuns allen so geliebten Städtchen, Dörfer, Klöster und Einkehrmöglichkeiten.
Die einen verdingten sich als Handwerker die Schuhe reparierten, die anderen als Wirte die Essen, trinken und Logis anboten. Das war es was die Menschen, die diesen Weg gingen, brauchten und auch dafür bezahlten.
Heute sind die Bedürfnisse der Menschen eben immer "luxuriöser". Das Gute spanische Essen, der tolle Wein und das gute Bett sind eben in unserer Gesellschaft kein Luxus mehr sondern für sehr viele Normalität. Das Grundbedürfnis ist eben gestiegen. Diese heutigen Grundbedürfnisse werden nun eben heute von unseren spanischen Gastgebern befriedigt. Der Weg an sich leidet darunter nicht, wohl aber diejenigen die es noch aus Zeiten kennen in denen eben nur die Grundbedürfnisse von damals befriedigt wurden. Da gab es kein WLAN und wenn doch, hatte niemand ein solches Gerät dabei um es nutzen zu können.
Wir sollten alle froh sein, dass es überhaupt noch jemand auf sich nimmt und Pilger betreut bzw. bei sich aufnimmt.
Ich könnte mir schon sehr gut vorstellen was hier in unserem Land passieren würde wenn sich vor der eigenen Haustüre solche Dramen abspielen würden wie wir sie auf dem spanischen Jakobsweb jeden Tag erleben. Ich meine damit, ich steige morgens früh um halb sieben in mein Auto und fahre zur Arbeit, an jeder Kreuzung an jeder Ampel, bei jedem Bäcker unterwegs überall nur Pilger welche mir den Weg versperren, mich beim Bäcker warten lassen. Abends nach getaner Arbeit gehe ich dann in meine Stammkneipe und überall sitzen geschundene Pilgern mit ausgezogenen Stiefeln.
Keine Ahnung was hier die Nachbarschaft dazu sagen würde.


Wir sollten den Weg und seine Bewohner so nehmen wie sie sind, diejenige Kleinode für die wir uns begeistern fördern und uns darüber freuen das so viele Menschen zurück zum Camino kommen.
Liebe Grüße und buen Caminö
Harald
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Despacito

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Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #6 am: Oktober 16, 2017, 09:10:37 Vormittag »
@raimund, hier ein topaktuelles Beispiel von Kommerzialisierung, das du vielleicht verwenden kannst:
"A tu lado en el Camino - hyundai" (an deiner Seite am Camino - hyundai)
Der südkoreanische Autobauer stellt auf der Strecke Sarría - Santiago fünf Autos für Shuttledienste jeglicher Art zur Verfügung. Das ist doch jetzt aber echt abgefahren! Werner
Details: http://www.lavanguardia.com/motor/actualidad/20171014/432051696788/hyundai-ioniq-camino-de-santiag.html


Raimund Joos

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #7 am: Oktober 16, 2017, 09:40:57 Vormittag »
Hallo

Habt vielen Dank! Nun ich meine (hoffe) dass es bei dem Gespräch nicht nur um die Kommererzialisierung gehen wird aber da wir gerade beim Thema sind:

Ich finde die neue Variante des Caminho Portugues den sogenannten Camino Spiritual ein Mußterbeispiel für eine Kommerzialisierung.

Da wird ein neuer Weg aus dem Boden gestapft der erst mal nach süd-westen verläuft und im Grunde nur dann begangen werden kann wenn man am Ende 19 € für einen Transfair mit dem Motorboot bezahlt. Das ist fast das Tagesbudget von so manchem Studenten und Sozialhilfempfänger.

Ich habe beim Pilgerbüro angefragt, ob man die Strecke auch mit dem wesendlich billigeren Bus machen kann und habe nach einigen Monaten immer noch keine Antwort auf diese peinliche Frage erhalten.... komisch!

Warum andere Wege weniger spirituell sein sollen als diese weiß ich nicht - evtl dient der der Begriff wohl eher der Werbung?

BC

Raimund
« Letzte Änderung: Oktober 16, 2017, 09:54:58 Vormittag von Raimund Joos »

Mario d'Abruzzo

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #8 am: Oktober 18, 2017, 10:29:15 Vormittag »
Für mich hat Kommerzialisierung eine ganz andere Bedeutung, als lediglich die Geschäfte mit im Laufe der Zeit gestiegenen 'Grundbedürfnissen'.

Ich verfolge diese Entwicklung ja bekanntlich in Italien an diesen Wegen, die mit 'Franziskusweg' bezeichnet werden. Kommerzialisierung bedeutet für mich hier das Verschwinden der ursprünglich vorhandenen spirituellen Tiefe durch den ganz engen Bezug zu einer bestimmten Person, zu Gunsten eines oberflächlichen und austauschbaren Wandertourismus.

Also Kommerzialisierung eines Pilgerweges als quasi 'feindliche Übernahme' durch eine zielgerichtete Tourismusindustrie, deren Schwerpunkt nicht auf der spirituellen Vertiefung, sondern auf der möglichst lohnenden Vermarktung liegt.

Wenn das stimmen würde, stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten für Menschen übrig bleiben, die diese unaufhörliche Entwicklung ablehnen.

Spirituell bedeutet für mich beim Franziskusweg immer die intensive Auseinandersetzung mit Franz von Assisi. Natürlich kann man immer und überall spirituell unterwegs sein. Darum geht es mir aber nicht bei diesem Beispiel.

Mario
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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #9 am: Oktober 18, 2017, 17:21:04 Nachmittag »
Genau Mario!

Und deshalb habe ich dafür eigentlich auch nicht den Begriff "Kommerzialisierung" sondern "Profanisierung" verwendet. Ich denke der Verfasser des Textes hat diesen Begriff gemieden da er einfach nicht so bekannt ist.

http://www.nak-recklinghausen.de/db/428943/Glaube%20und%20Kirche/Profanisierung-was-ist-das

https://de.wikipedia.org/wiki/Profanierung

BC

Raimund
« Letzte Änderung: Oktober 18, 2017, 17:25:10 Nachmittag von Raimund Joos »

Mario d'Abruzzo

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #10 am: Oktober 19, 2017, 01:12:05 Vormittag »
Hi Raimund,

Und deshalb habe ich dafür eigentlich auch nicht den Begriff "Kommerzialisierung" sondern "Profanisierung" verwendet.

ja cool, genau das meinte ich. Profanisierung.

Danke.

Mario
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Andiamo

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #11 am: Oktober 19, 2017, 09:25:23 Vormittag »
Guten Morgen,

den Sendetermin habe ich mir ebenfalls vorgemerkt und ich bin auf das Interview gespannt. Insbesondere interessiert mich wie Raimund - sollte dies zur Sprache kommen - den Drahtseilakt zwischen "Kritiker der Kommerzialisierung" und "Nutznießer der Kommerzialisierung" vollzieht.

Einerseits geißelt RJ den Massenansturm (Massentourismus) und andererseits profitiert er von ihm, denn er lebt von dem Verkauf seiner Wanderführer. Und je mehr Menschen die beschriebenen Pilgerwege "heimsuchen" desto größer wächst die Nachfrage nach den (Outdoor)Ratgebern.

Mich belustigt der Begriff  "Profipilger" und es drängt sich mir da unweigerlich der Gedanke an die Redewendung auf: "Den Bock zum Gärtner machen".


Andiamo


@ Mario: Herr Duden spricht tatsächlich von Profanierung und nicht von Profan is ierung)


Edit

Nachdem ich das Gespräch gehört habe hat sich für mich das komplette Thema "vom Jakobsweg und seiner Kommerzialisierung profitieren" erledigt.
Würde meinen o.a. Beitrag ersatzlos gelöscht haben, wenn er nicht bereits auszugsweise zitiert worden wäre.




« Letzte Änderung: Oktober 30, 2017, 15:42:30 Nachmittag von Andiamo »
"There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy". (Hamlet, William Shakespeare)

Mario d'Abruzzo

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #12 am: Oktober 19, 2017, 15:59:05 Nachmittag »
Hi Andiamo,

@ Mario: Herr Duden spricht tatsächlich von Profanierung und nicht von Profan is ierung)

ja, ja, das weiß ich doch. Aber 'Profanierung' find' ich blöd, das klingt für mich total doof. Ausnahmweise hab' ich mich mal an die von Raimund verlinkte NAK-Formulierung gehalten; sonst mag ich diese Brüder nicht so ganz arg...

Und wenn ich noch ein bisschen drüber nachdenke, könnte für mein Thema 'Banalisierung' auch passen.

Mario

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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #13 am: Oktober 21, 2017, 22:56:48 Nachmittag »
Die hr2-Radiosendereihe 'doppelkopf', in der Raimund am Mo. 30.10.17, 12:05 Uhr zu hören sein wird, ist übrigens immer auch als Podcast anzuhören oder auch zu speichern. Einziger Unterschied, die in der Sendung gespielte Musik wird aus lizenzrechtlichen Gründen im Podcast ausgeblendet.

Übersicht über die schon vorhandenen Podcasts: http://www.hr2.de/programm/podcasts/doppelkopf/index.html

Zum Beispiel wird da eine Sendung vom 22.09.2017 angeboten: Am Tisch mit Christa Gombel, "Hugenotten-Köchin" (41:28)

Zitat (Quelle): ""Ein Stück Frankreich, mitten in Hessen" - das kann man bei den Kochkursen im Haus Rambaud in Ehringshausen-Greifenthal+ im Lahn-Dill-Kreis erleben. Seit über 15 Jahren bietet Christa Gombel in ihren eigenen vier Wänden Kochkurse mit hugenottischer Küche an."

Mario

+ Schade, dass ich das nicht vor meiner Tour auf dem hessischen Lutherweg gewusst habe. So ein Abstecher (von der Weststrecke über Bad Nauheim, Butzbach und Lich) mit dem Bus wäre sicher möglich gewesen...
« Letzte Änderung: Oktober 21, 2017, 23:03:49 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »
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Re: Radiogespräch in hr2 / Kommerzialisierung des Weges... drückt mir die Daumen :-)
« Antwort #14 am: Oktober 26, 2017, 13:57:25 Nachmittag »
Guten Morgen,

den Sendetermin habe ich mir ebenfalls vorgemerkt und ich bin auf das Interview gespannt. Insbesondere interessiert mich wie Raimund - sollte dies zur Sprache kommen - den Drahtseilakt zwischen "Kritiker der Kommerzialisierung" und "Nutznießer der Kommerzialisierung" vollzieht.

Einerseits geißelt RJ den Massenansturm (Massentourismus) und andererseits profitiert er von ihm, denn er lebt von dem Verkauf seiner Wanderführer. Und je mehr Menschen die beschriebenen Pilgerwege "heimsuchen" desto größer wächst die Nachfrage nach den (Outdoor)Ratgebern.

Mich belustigt der Begriff  "Profipilger" und es drängt sich mir da unweigerlich der Gedanke an die Redewendung auf: "Den Bock zum Gärtner machen".


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@ Mario: Herr Duden spricht tatsächlich von Profanierung und nicht von Profan is ierung)


Nnnnnaaa warum wußte ich, dass so ein Beitrag kommt? ;-)

Also wenn: Ja es ist wirklich ein "Drahtseilakt" aber dass man mit mir den "Bock zum Gärtner" gemacht hat, finde ich dann doch nicht soooo nett. :-(

Also das Thema des Interviews war ein anderes .... wobei - wenn sich das Thema des Interviews in erstern Linie um meine Person gedreht hätte, hätte ich auch garnichts dagegen gehabt, denn das könnte (wie  man gleich sehen wird) letztlich auch als Werbung wirken (was dann selbstverständlich auch wider zur Kritik hier im Forum führen würde).

Wie ich oben schon geschrieben habe scheint mir der Begriff "Kommerzialisierung" etwas zu platt und auch der Begriff "Profipilger" ist auch nicht auf meiner Feder. Ich würde mich lieber als einen "Berufspilger" bezeichen, weil da nämlich der Begriff "Berufung" reinschwingt.

"Kommerz" findet übrigens überall stadt - das läßt sich nicht vermeiden und der Jakobsweg war von Anfang an auch ein kommerzieller Weg - Es geht m.E. eher darum, trotz des Kommerzes eben noch irgendwie anständig zu bleiben und sich nicht zu "prostituieren".

Wie es Jesus sagte "Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist"

Wenn da aber dann das Schwingen von Weihrauchsfässern in der Kathedrale von Santiago gegen ein paar Geldscheine feil geboten wird und von der Kirche dann Pilgerleistungszeugnissse angeboten weden, dann werde ich da als kritischer wacher Journalist nicht dazu schweigen - auch wenn man mir da einen Strick draus drehen kann dass ich selber meinen Lebensunterhalt mit meinen Büchern bestreite.

Also nun zu meinem persönlichen "Drahtseiakt" :

1.
Es ist mir nicht bekannt dass es irgenwo gebundene Printausgaben von Pilgerführern gegen Spende gibt. Wie soll das gehen? Sogar die einstmals kostenlose Liste der Herbergen wird heute nur noch gegen ein hübsches Sümmchen verkauft und kann da bald mit meinen Büchern konkurieren (obwohl die weder Karten noch sonstwas drin haben). Und das empfehle ich dann auch noch in meinen Büchern um dem Verein zu helfen und fördere damit irgendwie auch noch mein Konkurenz?!?!.
Ich habe dafür gesorgt, dass man meine Bücher auch an verschiedenen Stellen kostenlos zu leihen kann - so zb. hier im Forum (Büchertausch). Das macht übrigens nicht jeder Autor der hier im Forum vertreten ist.
In meinen Büchern versuche ich einer weiteren "Kommerzialisierung" entgegenzuwirken, indem ich vor allem Unterkünfte der unteren und mittleren Preisklasse beschreiben. Solche also, die sich auch ein bescheidener Pilger noch leisten kann (obwohl mir von einigen teuren Unterkünften auch schon Geld dafür geboten wurde wenn ich denen endlich mal deutsche Pilger schicke)

2.
Meine Pilgerseminar zur Vorbereitung auf den Jakobsweg sind zwar nicht kostenlos aber doch in Höhe von einer Selbsteinschätzung vergütet. Gelegentlich habe ich da nur 5 oder 6 Teilnehmer und muß auch noch einen Gastreferenten auszahlen - also oftmal ist das eher eine wirkliche "Spende" was ich dabei verdiene. Ich mache das in erster Linie um in den Kontakt mit meinen Lesern zu kommen.

3.
Richtig! Ich leite auch (zum teil kirchliche) Pilgergruppen auf dem Weg. Allderdings bin ich da auch nicht für jeden Reisanbieter "käuflich" und führe aus Prinzip nicht alle Art von Gruppen (zb. nur auf den letzten 100 km oder sehr große Gruppen)

4.
Keiner braucht ein Buch von mir zu kaufen oder an einem meiner Seminar teizunehmen, wenn er einen Rat von mir sucht, denn ich stelle meine telefonsische Beratung seit Jahren auch kostenlos als Pilgerberater zur Verfügung. Auch das kann nicht jeder hier im Form von sich behaupten.
http://www.jakobus-franken.de/pilgerberater.html

Ok - soweit so gut - gerne kann man mir aber noch weitere konstruktive Vorschläge machen, wie ich mich bei meinem "Drahtseilakt" verhalten könnte um es möglichst allen recht zu machen.  ;-)

BC

Raimund
« Letzte Änderung: Oktober 26, 2017, 16:12:30 Nachmittag von Raimund Joos »