Autor Thema: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?  (Gelesen 988 mal)

jole99

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Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« am: November 07, 2017, 22:07:28 Nachmittag »
Hallo an Alle,
ich werde im nächsten Jahr den Franziskusweg von Florenz nach Rom gehen.
Ich muß mal raus aus meinem Leben und fühle, dass dieser Weg der Richtige für mich ist.
Ich möchte Mitte Mai aufbrechen und mir 4 bis 6 Wochen Zeit für den Weg geben!

Seit einigen Tagen lese ich hier im Forum und bin begeistert über die vielen Anregungen und Erfahrungen der anderen User. Begeistert aber auch verwirrt. Welcher Weg, welche Route, welche Stopps - ich muss diese vielen Informationen für mich sortieren und meinen eigenen Franziskusweg für mich finden.

Und da bin ich auch schon beim Thema: Mein Wunsch bei dieser Pilgerreise ist auch (oder vor allem), mich treiben zu lassen. Schauen wo es schön ist, dort verharren zu können oder auch mal ein oder zwei Tage dort zu bleiben, wo es mir gefällt. Vielleicht verlaufe ich mich auch. Oder gehe einen Umweg, ob freiwillig oder unfreiwillig.

Wenn ich die Berichte der anderen so lese, haben viele Pilger eine akribische Planung für die Route betrieben und die Übernachtungen bereits im Voraus gebucht, scheinbar zum Teil für mehrere Tage oder die gesamte Pilgertour. Dazu habe ich eigentlich keine Lust und das widerstrebt auch meiner Grundidee, die Dinge auf mich zukommen zu lassen und nicht alles zu planen.

Termindruck, Zeitmangel und Verpflichtungen habe ich in meinem Alltag genug, davon möchte ich mich auf dieser Tour so weit es geht befreien.

Wie sind Eure Erfahrungen, kann man den Franziskusweg auch gehen, ohne alles, insbesondere die Übernachtungen, im Voraus zu planen und zu buchen. Oder besteht dann die Gefahr, dass ich auf der Wiese oder der Bank im Park schlafen muß?
Ich habe übrigens nicht vor, ein Zelt mitzunehmen und hoffe schon darauf, in jeder Nacht zumindest ein Dach über dem Kopf zu finden.

Ich würde mich sehr freuen, an den Erfahrungen der Menschen teilhaben zu dürfen, die diesen Weg bereits gegangen sind.

Liebe Grüße - Jochen

Mario d'Abruzzo

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #1 am: November 07, 2017, 23:52:08 Nachmittag »
Hi Jochen,

der Weg von Florenz nach Rom ist größtenteils Mittelgebirgswandern. Die Möglichkeiten zur Übernachtung sind begrenzt, auch durch die vielen Höhenmeter.

Du hast Dich ja schon im Forum eingelesen und kennst dadurch die Namen der vier in Frage kommenden Wanderführer. Du solltest Dir erstmal einen davon besorgen und dann kannst Du die Möglichkeiten zum Treibenlassen selbstständig einschätzen.

Buon cammino

Mario

Mario d'Abruzzo

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #2 am: November 08, 2017, 00:32:51 Vormittag »
Hi Jochen,

falls Du in Rom an Papst Franziskus Interesse hast, dann würde sich beim Start Mai 2018 als Ankunftstag der Dienstag, 26. Juni anbieten. Dann kannst Du im deutschen Pilgerbüro noch stressftrei die Karten für die Audienz am nächsten Tag abholen und am Freitag, dem 29. Juni die Papstmesse am Hochfest Peter und Paul im Petersdom besuchen. Das müsstest Du allerdings schon bald anmelden (beides ist dann kostenlos).

Bei Interesse, gerne weitere Fragen. Nur für's Treibenlassen bin ich halt nicht zuständig; gerade habe ich die Unterkünfte meiner 68 Tage-Tour 2018 durch den Apennin (fast) komplett reserviert, ein Jahr im voraus. Da hatte ich schon ne Menge Spaß mit.... Manche Gastgeber haben noch keinen Kalender für 2018, das sind dann in meiner Liste die 'grauen Betten'.

:-)

Mario
« Letzte Änderung: November 08, 2017, 00:43:46 Vormittag von Mario d'Abruzzo »

elsie

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #3 am: November 08, 2017, 09:43:33 Vormittag »
Hallo Mario, deine Antworten klingen nach dem Gegenteil von "Nicht-alles-Durchplanen"... ;-)
Lieber Jochen!
Ich war letztes Jahr an Pfingsten bis Assisi unterwegs und nicht mal da war viel los. 2018 ist das Fest ja im Mai, also soll dich das einfach beruhigen! Ein Anruf am Tag davor oder sogar in der Früh noch passt normalerweise. Machen auch oft die Gastgeber für einen - oder auch nette Mönche unterwegs.
Ich wünsch dir viel Freude auf den Spuren vom Franziskus!

Mario d'Abruzzo

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #4 am: November 08, 2017, 10:21:37 Vormittag »
Hallo Mario, deine Antworten klingen nach dem Gegenteil von "Nicht-alles-Durchplanen"... ;-)

Haha, mein Planen beginnt erst mal mit der Route. Viel schöner als Florenz-Assisi ist es durch den Nationalpark Casentino von Dovadola nach Assisi zu wandern+. Hab' grad über Facebook wieder den Bericht eines begeisterten Hubs the Pilgrim gelesen. Auf diesem Cammino di Assisi sieht das mit den Unterkünften schon spärlich aus, da gibt es keine Auswahl. Aber eigentlich ist es gut, dass die 'Masse' in Florenz startet...

Ich gehe inzwischen keine ausgeschilderten Wege mehr. Dieses Jahr 1.300 km durch Schweiz, Elsass und Deutschland von Einsiedeln nach Wittenberg, nur mit dem GPS geplant und gelaufen. Das ist meine Freiheit. Das waren drei vorgebuchte Monate...

Mario

+Eines der ersten Bücher über diesen 'Cammino di Assisi' war Pecorino und die Kunst des Pilgerns: Ein Hund geht den Franziskusweg Zitat (Quelle): "Mischlingsrüde Pecorino, der als Fotomodell international Karriere machte, pilgert auf den Spuren des heiligen Franziskus, des Schutzheiligen der Tiere, nach Assisi. Ausgerüstet mit Pilgerpass und Proviant, beginnt er seine Pilgerreise am Strand von Rimini. In zwölf ereignisreichen Tagesetappen geht es durch herrliche Landschaften, über Berg und Tal. Auf dem 300 Kilometer langen Weg über den Appenin lässt Pecorino die Highlights seines beruflichen Werdegangs ebenso Revue passieren wie private Erinnerungen an Pannen und Peinlichkeiten. Er denkt über die Beziehung zum Menschen nach und gelangt zu überraschenden Einsichten. "
« Letzte Änderung: November 08, 2017, 11:22:48 Vormittag von Mario d'Abruzzo »

ಆಂಡ್ರಿಯಾ

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #5 am: November 08, 2017, 14:28:27 Nachmittag »
Jochen, die Sache mit den Reservierungen auf einem Pilger-/Wanderweg wird immer viel gefragt und viel diskutiert. Dabei ist es eigentlich ganz einfach:

Durchforste mal dieses geniale Forum. Ich garantiere dir, die Berichte von Pilgern, die tatsächlich eine Nacht draußen verbringen mussten (und nicht wollten!),  wird gegen null tendieren. Es wird darauf ankommen, wie flexibel du bist. Kannst und willst du am Etappenende noch 5 - 10 km weiter gehen, weil in dem betreffenden Ort nichts frei ist, alles geschlossen ist o.ä.? Bist du bereit, Autos anzuhalten, Strecken mit dem Bus zu überbrücken oder Anwohner um Hilfe zu bitten, ob sie dir vielleicht ein Notbett herrichten oder dich zur nächsten Unterkunft fahren?

Ich denke, für die meisten Probleme dieser Art findest du - auch auf dem Franziskusweg - eine Lösung. Allerdings finde ich nicht, dass der Franziskusweg einer der Wege ist, die prädestiniert dafür sind, einfach drauflos zu gehen und zu schauen, was dir an Übernachtungsmöglichkeiten so "über den Weg läuft".  Da gibt es andere Wege, wo man sowas (grade wenn man vielleicht noch unerfahren ist) einfach mal ausprobieren kann. Allerdings bedeutet natürlich eine bessere Infrastruktur immer auch mehr Pilger oder Touristen.

Egal, wie du dich entscheidest - ich wünsch dir viel Spaß bei deinen weiteren Planungen. Den Franziskusweg bin ich letztes Jahr von Florenz nach Spoleto gegangen. Wenn du da noch Fragen hast oder Tipps brauchst, helfe ich dir gerne weiter.

LG,
Andrea
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jole99

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #6 am: November 08, 2017, 20:09:56 Nachmittag »
Hallo zusammen,

vielen lieben Dank an Euch für die schnellen Antworten.

Mario, der ja omnipräsent hier im Forum ist, hat mir erst mal einen kleinen Schreck eingejagt :-) und ich habe schon gedacht, ich sollte mir besser einen anderen Weg suchen. Du gehst aber offensichtlich ganz anders an die Sache heran als ich es mir vorstelle.

Ich habe zugegeben, außer einer 8-tägigen Tour den Hermannsweg entlang, bislang noch keine Pilgererfahrungen. Nur meine Intention halt: raus aus dem Alltag, keine Termine, keine Verpflichtungen, auf niemanden Rücksicht nehmen müssen, mich treiben zu lassen, viel in der Natur sein, nicht zuviel Trubel ...

So bin ich halt auf diesen Weg gestoßen, zumal mir das wenige, was ich bisher über Franziskus gelesen habe, durchaus symphatisch ist!

Die Antworten von Elsie und Andrea haben die Sache erfreulicherweise wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen und mir wieder Mut gemacht!

Eine Pilgertour so komplett im voraus zu planen wiederstebt mir total. Ist fast wie eine organisierte Busreise oder eine Kreuzfahrt, wo man schon genau weiß wo man am Mittwoch den 15. sein wird. Das ist nicht meins ...

Aber von einem auf den anderen Tag zu planen und auch flexibel und offen zu sein für das, was sich mir bietet (hoffentlich), das klingt schon viel besser.

Zunächst fühle ich mich durchaus bestärkt in meinem Vorhaben und werde erstmal weiter im Forum stöbern. Vielleicht gibt es von Euch oder Anderen ja noch weitere Inspirationen.

Also - erstmal lieben Dank und herzliche Grüße - Jochen

Mario d'Abruzzo

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #7 am: November 08, 2017, 20:32:25 Nachmittag »
Hi Jochen,

Mario, der ja omnipräsent hier im Forum ist, hat mir erst mal einen kleinen Schreck eingejagt :-) und ich habe schon gedacht, ich sollte mir besser einen anderen Weg suchen. Du gehst aber offensichtlich ganz anders an die Sache heran als ich es mir vorstelle.

ach herrjeh, erschrecken wollte ich Dich nicht. Also es ist genauso, wie Andrea es beschreibt. Dieses 'Bist du bereit, [...]' ist der Knackpunkt. Und es ist dann die Frage, ob Du Dich dann wirklich ohne 'Termindruck, Zeitmangel und Verpflichtungen' fühlst.

Nochmal mein Tipp, Dir einen der (bald) drei/vier Führer Florenz-Rom (nicht den Seracchioli-Führer, der führt nicht nach Rom) zu kaufen. Dann siehst Du mal, wie groß die vorgeschlagenen Etappen sind und welche Abstände (und Höhenmeter) die Unterkünfte haben. Beherrscht Du Italienisch, bist Du natürlich bei spontanen Aktionen im Vorteil.

Für die eigentliche Tour kannst Du Dir mit Deinen dann gewonnenen Einsichten auch einen zweiten Führer kaufen.

Mario
« Letzte Änderung: November 08, 2017, 20:34:03 Nachmittag von Mario d'Abruzzo »

Erika

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #8 am: November 08, 2017, 20:41:41 Nachmittag »
Hallo, Jochen,

Es wird sicher ein toller Pilgerweg, wunderschöne Landschaft, viel Wald, viel Grün, hübsche kleine Orte, nette Begegnungen.
Anstrengend, weil etliche Höhenmeter, teilweise auch einsam, lass Dich treiben, genieß einfach.
Zu den Unterkünften, einige solltest Du wirklich vorbuchen, Santuario La Verna, hier vielleicht auch zwei Tage bleiben, das Kloster der Deutschen Schwestern in Assisi, die nehmen Gäste auch nur für mindestens zwei Tage auf, ist sehr zu empfehlen, Agriturismo Bartoli unbedingt beizeiten reservieren. Die Klöster unterwegs, wie Spello, Fontecolombo, Poggio Bustone könnte man einen Tag vorher auch noch vorbestellen.
Wir haben uns die Strecke aus verschiedenen Wanderführern zusammen gebastelt, Angela Seraccholi, Treml, Ochsenkühn und Brown. Wobei Seraccholi und Treml wirklich gute Unterkünfte angeben. Einige sind aber mittlerweile geschlossen, andere wieder bewirtschaftet. Wenn Deine Planung steht, einfach nochmal antexten.
Liebe Grüße Kerstin und Hans-Jürgen
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jole99

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #9 am: November 12, 2017, 22:18:02 Nachmittag »
Guten Abend,

jetzt habe ich noch mehr hier in diesem tollen Forum gelesen und festgestellt, dass meine Frage zu großen Teilen bereits gestellt und auch beantwortet wurde. Dennoch noch mal Danke für die Antworten, die mir absolut weitergeholfen haben. Ich bin bereit :-).

Je mehr ich hier lese, desto mehr merke ich auch, wie unterschiedlich die Leute an die Sache herangehen (Stichwort Ausrüstung) und auch in der Einschätzung von Routen und Wegen gibt es sehr individuelle Sichtweisen. Und aus diesen Informationen und Anregungen versuche ich, mein eigenes Ding zu basteln.

Am Ende ist es doch wie im gesamten Leben: jeder geht seinen Weg!

Jetzt habe ich noch mal eine Frage, die hier auch schon ein wenig diskutiert wurde:

Franziskusweg oder via francigena ?

Wer kennt beide Wege? Wie würdert ihr sie einschätzen bezüglich der Kriterien, die mir wichtig sind:

1) Natur - viel Natur und schöne Landschaften sind absolut wichtig
2) Kontakt - Einsamkeit kann ich sehr gut ab, aber nicht nur für ca. 5 Wochen. Soll heißen, ab zu am Abend auch einige andere Pilger zu treffen, wäre schon schön
3) Kondition - 20 oder 25 Kilometer zu laufen macht mir nichts aus. Aber 16000 ? Höhenmeter des Franziskusweges kann ich mir nicht so genau vorstellen. Ist das noch moderat oder grenzt das schon an sportlich anspruchsvolle Leistungen? Mein Knie ist leider zweimal operiert und nicht mehr neuwertig...

Würde mich freuen, diesbezüglich noch weitere Einschätzungen zu bekommen.

Vielen Dank und eine gute Zeit - Jochen


Erika

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #10 am: November 12, 2017, 23:06:41 Nachmittag »
Hallo, Jochen,

Wir sind beide Wege, Franziskusweg und Via Francigena, gelaufen.
Zuerst die VF, da wir ja hier bereits nach Rom hinein liefen, sind wir den Franziskusweg rückwärts gelaufen, also von Rom nach Florenz und wieder hinüber zur VF.
Landschaftlich ist für uns eindeutig der Franziskusweg der Favorit.
Wenn Du selbst Deine Strecke bastelst, kannst Du sicher Höhenmeter sparen.
Bin auch nicht die Sportlichste, es ist machbar, zumal die herrlichen Wälder und hübschen Orte für manch Anstrengung entschädigen.
Bei der VF kommt es darauf an, wo Du starten würdest. Man läuft halt viel Straße. Wir sind eigentlich froh, dass wir zuerst die VF gelaufen sind. Wenn man von Florenz wieder hinüber nach Lucca wandert und hinauf bis Pietrasanta, sieht man viel Schmutz am Straßenrand und in den Orten. Da gab es doch Momente, in denen man sich wieder ins grüne Umbrien zurück sehnte. Wären wir zuerst auf dem Franziskusweg unterwegs gewesen, dann, so glauben wir, hätte uns die VF enttäuscht. Hier ist auch mehr los, was die Pilgerzahl betrifft.
Lass Dich von der Höhe nicht abschrecken, der Weg ist wirklich schön.
Viel Spaß wünschen
Kerstin und Hans-Jürgen

Mario d'Abruzzo

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #11 am: November 12, 2017, 23:59:21 Nachmittag »
Hi Kerstin,

wie geht's bei Euch denn 2018 mit Via Francigena/Jakobsweg weiter? Wandert Ihr die klassische Route Richtung Susa oder doch am Meer entlang durch die Cinque Terre Richtung Genua?

Grüße aus Staufen!

Mario

ಆಂಡ್ರಿಯಾ

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #12 am: November 13, 2017, 00:08:55 Vormittag »
Jochen, ich bin von daheim (also vom Bodensee) über den schweizer Jakobsweg bis Lausanne und ab da auf der Via Francigena nach Rom gegangen und von dort wieder zurück. Den Franziskusweg bin ich von Florenz bis Spoleto gegangen.

Es sind zwei unterschiedliche Wege, die sich nicht gut miteinander vergleichen lassen. Beide sind mir auf ihre eigene Art unter die Haut gegangen.

Natur und schöne Landschaften.

Auf der VF gehst du nach der neuen Ausschilderung kaum noch an den großen Straßen lang. Die Landschaft wechselt bis Rom mehrmals. Über den Großen Sankt Bernhard ist's ziemlich alpin, ein paar Tage mit vielen Höhenmetern, dann geht's hinab ins wunderschöne Aostatal. Piemont und Lombardei sind eher flach und heiß. Die Emilia Romagna und die Toskana sind hügelig und auch wieder schattiger. Richtung Meer wird's dann wieder flacher, klar. Das Latium bis Rom ist grüner als du es vielleicht erwarten würdest, hat aber keine großen Höhenunterschiede mehr.

Der Franziskusweg ab Florenz hat gleich am Anfang ordentliche Höhenmeter und richtig flach wird's da auch später nicht. Aber es gibt wunderschöne stille Wege durch mystische Wälder mit vielen Tieren und kleinen Dörfern mit verlassenen Häusern. Doch du kommst auch durch lebhafte Orte - wenn ich da an Gubbio denke, Assisi natürlich oder die weniger schönen wie Citta di Castello.

Kontakt.

Ich hatte auf beiden Wegen komplett einsame Etappen und Herbergen, in denen ich alleine war. Und genauso hatte ich auf beiden Wegen Herbergen, die bis aufs letzte Bett belegt waren.

Auf der VF nehmen die Pilger nach der Po-Ebene deutlich zu, da sich (vor allem Italiener) die Po-Ebene sparen. Auf dem Franziskusweg hatte ich ebenso viele tolle Begegnungen - lag mit daran, dass ich über Pfingsten los bin und diese Idee wohl mehrere hatten. Auf beiden Wegen hat es viele Deutsche, prozentual gesehen aufm Franziskusweg sogar mehr, das hatte ich so eigentlich nicht erwartet. Aufm Franziskusweg habe ich auch mehrere Bergwanderer getroffen, die den Weg weniger als Pilgerweg sehen, sondern halt als leichte Trainingsstrecke für die nächste Hüttentour in den Alpen. Auch das waren z. T. echt interessante und angenehme Begegnungen.

Kondition.

Du hast auf der VF wie auch auf dem Franziskusweg die Möglichkeit, kleine Etappen zu gehen. Da braucht's keinen Bus und keinen freundlichen Fiatfahrer (aber wenn ich krank oder verletzt bin, ist der auch schnell organisiert). Ich wundere mich manchmal über Pilger, die den Franziskusweg oder z. B. die Strecke auf der VF im Apennin kilometermäßig am Schreibtisch so planen wie den Francés. Es gibt halt da noch Höhenmeter. Wenn man sich die vorher ein bisschen anschaut, kriegt man das hin. Es gibt keine Etappe auf der VF und auf dem Franziskusweg, die zwingend 30 km lang ist. Außer ich will das unbedingt :-)

Jochen, es ist genauso wie du schreibst: Jeder geht seinen Weg!

Mich rufen manchmal Wege. Und wenn dich einer von beiden ruft, dann nimm den. Egal, was dann dort passieren wird, es wird der richtige sein.

LG,
Andrea
« Letzte Änderung: November 13, 2017, 00:13:40 Vormittag von ಆಂಡ್ರಿಯಾ »
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Mario d'Abruzzo

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #13 am: November 13, 2017, 00:24:50 Vormittag »
Hi Jochen,

ich hab's ja schon mehrfach geschrieben: 2013 auf meinem ersten Weg von Florenz über Assisi nach Rom bin ich mit einem fast 77-Jährigen gewandert. Für Rudi waren die 16.000 Höhenmeter in 32 Tagen kein Problem, also schaffst Du das genau so. Auch schon x-mal getippt: von Dovadola nach Rom ist die schönste Route, wenn's denn unbedingt Rom sein muss.

Schau Dir doch auf meiner Übersichtsseite für 2013 die Höhenmeter an, im Schnitt sind es 500 Meter hoch und runter pro Tag, das ist kein Problem. Und Deine Knie könnten davon profitieren, dass Du weniger Gepäck mitführen musst, weil Du ja meist komfortabler untergebracht bist. Zumindest war es bei mir so - Luma, Schlafsack, Handtuch blieb alles zu Hause. Okay, ich hab den freien Raum im Rucksack dann mit Computerkram aufgefüllt, aber das muss ja nicht sein.

:-)

Pace e Bene

Mario

Erika

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Re: Franziskusweg - wieviel Planung ist notwendig ?
« Antwort #14 am: November 13, 2017, 08:16:12 Vormittag »
Hallo, Fred Mario,

geplant ist mal der Ligurische Küstenweg. Infos, Tipps, immer her damit. Werden auch wieder ziemliche Höhenmeter, zumal der italienische Wanderführer Via della Costa den Weg von Sarzana bis Menton in 12 Tage abspult und keine Strecke unter 25 km ist, also wieder selber basteln.
Einen passenden deutschen Führer haben wir nicht gefunden. Wer hat eine Idee ?

Hallo, Jochen,

falls Du noch Tipps brauchst, einfach antexten. Die VF sind wir von 2009 - 2014 gelaufen, den Franziskusweg 2016/17 und ein Stück VF zurück.

Waren April/Mai unterwegs, da kann es im Appenin teilweise noch richtig kalt sein. Auf der VF, Toscana, Latium, kann man getrost im zeitigen Frühjahr oder Herbst laufen.

Sind in diesem Jahr auf dem Franziskusweg vor allem Deutschen begegnet, auf der VF sind viel Italiener und mittlerweile auch Biker unterwegs.

Finanziell hat die VF den Vorteil, dass es hier Pilgerherbergen auf Spendenbasis gibt, auf dem Franziskusweg musst Du ab und zu auf ein BnB ausweichen.

Einsamer ist der Franziskusweg, wobei man auch da nicht den ganzen Tag allein sein wird.

Hoffe, wir konnten Dir helfen und viel Spaß bei den Vorbereitungen.

Kerstin und Hans-Jürgen