Autor Thema: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit  (Gelesen 1759 mal)

stefan0585

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Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« am: Februar 13, 2018, 09:06:33 Vormittag »
Guten Morgen zusammen,

ich "leide" an einem "Problem" :) Nichts schlimmes oder ähnliches. Jedoch hat sich das die letzten Jahre durch meinen Beruf (Hotelfachmann) und die Bundeswehr extrem stark verinnerlicht und eingeprägt: Ich bin zu schnell :D

Ende April geht es für mich ja nach Bilbao uaf den Norte. Bisher hab ich schon ein paar 15-20km Testläufe gemacht und bis auf die Tatsache das der kalte Wind als Gegenwind extrem nervig ist, musste ich feststellen das ich einfach zu schnell bin.

Ich habe beim ersten mal für 15 km knapp 2 Std. benötigt, wobei da sogar noch eine kleine Pause dabei gewesen ist. Auch die anderen mal war ich mit Pause nie langsamer als 3 Std. Wenn ich überlege das ich den ganzen Tag von ca. 7 - 16/17 Uhr Zeit habe eine Strecke von 15-25km zurückzulegen dann frag ich mich wie ich das noch langsamer schaffe.
Tatsächlich möchte ich schon versuchen vorher mich ein wenig zu entschleunigen, um das ganze auch mehr genießen zu können. An sich stört es mich nicht, gefühlt gehts mir gut und die Muskeln steckten das bisher alles gut weg. Auch sitzt der Rucksack gut, selbst mit absichtlicher Überbeladung (doppelt soviel Gewicht verpackt als final nach Spanien mitgeht).

Habt Ihr da ähnliche Probleme gehabt bzw. wie seid Ihr damit umgegangen? Ich mein man möchte ja keinen Marathon tgl. absolvieren.


Harinjo

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #1 am: Februar 13, 2018, 10:18:19 Vormittag »
Du bist witzig :-) Wo ist da ein Problem? Wenn du da wirklich ein Problem siehst, musst mal darüber nachdenken: Du bist eventuell zu problemorientiert! Versuch mal mehr lösungsorientiert zu denken... Wenn du verstehst was ich meine.
Wobei, in dem Fall braucht's keine Lösung. Du gehst halt weiter, na und. Bei meinen Wegen, wenn ich alleine unterwegs bin, geh ich auch jeden Tag zwischen 40 und 50 Kilometer. Meine Pilgerreisen plane ich auch so danach. Da ist niemand der dich schimpft oder ??? Jeder geht seinen Weg.

Buen Camino
Harry

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winti46

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #2 am: Februar 13, 2018, 10:45:34 Vormittag »
Ja Du läufst eben mehr Kilometer pro Tag oder Du gewöhnst Dich an ein Geniessen während des Weges. Da bieten sich viele Möglichkeiten: Einkehr in Kirchen (aber oft sind sie auch verschlossen), Umwege leicht abseits des Jakobsweges näher an der Küste mit atemberaubenden Aussichten, vielleicht ein späteres Weggehen am Morgen, ein gediegenes "Menu del dia" am Nachmittag in einem Landgasthof (die nachfolgende Stunde wirst Du automatisch langsamer gehen), Bewundern von kulturellen und anderen Besonderheiten, etc.. Hier ein paar Beispiele:
- In Getxo das Unesco-Weltkulturerbe, die älteste Schwebefähre der Welt (Puente Colgante/Vizcaya/Portugalete/Palacio).
- Ab Pobeña Weg auf früheren Trassees von Erztransporteisenbahnen (etwa 5km) mit verschiedenen Resten von Gebäuden, Einrichtungen und Verladestationen auf Schiffe.
- Traditioneller (Um-)Weg nach Colindres. Über Ría de Treto interessante Eisenbrücke, deren Konstruktion durch die Schule Gustave Eiffel inspiriert wurde und bei der ein Teil gedreht werden konnte um grösseren Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen.
- In Santoña ab dem Fort San Martín wunderbarer Küsten(um-)weg rund um den Monte Buciero, an beeindruckenden Klippen, zwei Leuchttürmen (hinunter zum spektakulären Faro del Caballo + wieder hinauf) und einem alten Geschützstand vorbei.
- Hinter Noja (Um-)weg durch die „Marisma de Joyel“ - Gezeitenmühle Santa Olaja aus dem 18.Jh. , die gleichzeitig auch Teil des „Ecoparque de Trasmiera“ ist - weiter über den Damm nach Isla (Kirche San Julián y de Santa Basilisa aus dem 17.Jh. + benachbartes früheres altes Pilgerkrankenhaus) - Arnuero - Romanische Kirche Santa María de Bareyo mit Ursprung im 12.Jh..
- Umweg über Liencres und Parque Natural de las Dunas de Liencres und zurück über den Sendero de la Ría de Mogro.
- Besichtigungsrunde in Santillana del Mar (das aber nicht am Meer liegt und das auch das Rothenburg ob der Tauber Spaniens genannt wird).
- (Um-)weg über den Naturpark Oyambre.
Solche Beispiele würde es noch weitere geben. Und übrigens ein Standardklassiker ist das Buch "Die Entdeckung der Langsamkeit", ein 1983 erschienener Roman und preisgekrönter Bestseller des deutschen Schriftstellers Sten Nadolny. Sein Protagonist ist der englische Kapitän und Polarforscher John Franklin, der wegen seiner Langsamkeit immer wieder Schwierigkeiten hat, mit der Schnelllebigkeit seiner Zeit Schritt zu halten, aber schließlich doch aufgrund seiner Beharrlichkeit zu einem großen Entdecker wird. Der Roman ist bewusst nicht authentisch gehalten, denn die im Roman beschriebene Figur ist im Gegensatz zum realen Vorbild ein der Langsamkeit verpflichteter Mensch mit modernen Idealen. LG Walter
« Letzte Änderung: Februar 13, 2018, 10:47:22 Vormittag von winti46 »
CF 2002-08, Aragon 2009, VdlP 2010-12, Mozárabe 2012+13, Inglés 2012, CP 2013, CN 2014+15, ÖP-Sächsischer JW +JW Vogtland 15, Catalán 2015-17, Primitivo 2017, Ignaciano 2018

Thüringer

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #3 am: Februar 13, 2018, 10:53:13 Vormittag »
Sei froh, dass du so gut drauf bist. Da hätten viele gern wenigstens einen Bruchteil deiner Kondition. Wenn du so den
ganzen Tag - oder eine bestimmte Strecke laufen......und dabei noch deine Umgebung und die Dinge, die  dich umgeben, wahr nimmst und genießen kannst - ist das ok. Es muss für dich stimmig sein, egal.....was andere sagen. Manche sagen dir dann.....du rast ja den Weg und sind bei weit weniger km mehr fertig als du. Du gehst von allein langsamer, wenn du unterwegs mit anderen Pilgern läufst...ins Gespräch kommst.
Laufe auch 40 + km/Tag.....immer mit der Option, wegen der Unterkunft noch ein paar km machen zu können....und wenn es schön oder schwierig den Tag über war, sind es eben weniger.

Buen Camino
Thüringer
« Letzte Änderung: Februar 15, 2018, 20:08:12 Nachmittag von Thüringer »

Mikado

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #4 am: Februar 13, 2018, 11:09:36 Vormittag »
Diese "Probleme" habe ich nicht. Bei mir ist es genau umgekehrt, ich gehe extrem langsam. Das ist aber für mich kein Problem, ich nehme mir daher einfach mehr Zeit für den Weg und freue mich, wenn ich den ein oder anderen wieder treffe, weil er an mir vorbeirauscht :-) Viele gehen aber auch ein kurzes Stück mit mit.

Ein Problem für Dich ist es doch nur, da es Dich selber stört und Du nicht weißt, was Du mit Deiner Freizeit anfangen sollst.

Buen Camino
Petra

angel2969

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #5 am: Februar 13, 2018, 16:27:54 Nachmittag »
hallo
ein Problem sehe ich eigentlich nicht, im Vorfeld meines ersten Caminos - den norte - habe ich mich auch mit Wanderungen vorbereitet, es ist aber etwas anderes ein verlängertes Wochenende zu wandern, oder mehrere Wochen hintereinander. solange du dich selbst nicht unter druck setzt, jeden tag eine bestimmte hohe km-Zahl zu wandern und auf deinen körper zu hören wenn er sagt, dass ist mir zu viel zu schnell zu lang, ist doch alles gut. vielleicht musst du einfach auch lernen Zeit für dich und die Natur/Umgebung zu haben, da wir ja heute alle in einer Gesellschaft leben wo wir unter dauerpower stehen. der norte ist wunderschön und die vorschläge von Walter hören sich toll an - falls du in Santiago noch zeit hast gibt es ja noch die Möglichkeit nach finisterre/muxia zu pilgern oder von ferrol den ingles. gutes gelingen. Gehe in dem tempo dass dir gefällt.

buen camino
angel

Uti

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #6 am: Februar 13, 2018, 17:58:32 Nachmittag »
Da ist niemand der dich schimpft oder ???

In der Regel wohl nicht, aber ich habs erlebt! Und zwar am ersten Tag meines ersten Camino. Ich muss dazu sagen, mein Lauftempo ist sicher nicht so schnell wie das von Stefan, dennoch habe ich einen recht zügigen Schritt, meist auf jeden Fall etwas schneller als die Mehrzahl der anderen Pilger. Jedenfalls sprach mich ca. 4-5 Kilometer nach dem Start ein älterer Spanier an und schimpfte regelrecht mit mir, dass dies wohl mein erster Tag wäre und alle die so schnell laufen würden am Abend Probleme mit den Füßen und Gelenken haben würden. Ich war recht eingeschüchtert, dachte, na gut, er weiß es vielleicht besser als ich und versuchte auf den nächsten Kilometern mein Lauftempo deutlich zu reduzieren. Das viel mir richtig schwer und ich fühlte mich mit diesem, für mich falschem Laufrhythmus gar nicht gut. Später bin ich dann wieder in meinem Tempo gegangen ohne irgendwelche Probleme zu bekommen. Manchmal gehe ich schon auch langsamer, wenn ich mich dem Tempo von netten Mitpilgern anpasse. Das funktioniert bei mir aber immer nur für einen begrenzten Zeitraum. Dann laufe ich weiter und mache zwischendurch halt ein paar kleine Päuschen mehr und warte. Daher auf jeden Fall auch mein Rat an dich Stefan, in deinem eigenen Tempo zu laufen. Und dir nicht so viele Gedanken darüber im Vorfeld zu machen, wird sich schon alles finden :-)

Buen camino
Ute

greti

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #7 am: Februar 13, 2018, 17:59:28 Nachmittag »
Ich weiß nicht, ob es bei Dir auch in die Richtung geht, aber ich kenne das Thema, dass ich mich eher auf das Ziel konzentriere und nicht den Weg, mir kam es früher oft so vor, dass ich mit meinen Gedanken schon immer viel weiter vorne bin als im Moment und irgendwie an allem vorbeirase und die Umgebung gar nicht so wahrnehme, weil ich mich irgendwie nach vorne orientiere. Die Metapher fand ich dann spannend für mein Leben, in manchen Situation/auf der Arbeit hat diese Fähigkeit ja manchmal durchaus Sinn. Mir fällt auf, wenn ich in diesem Modus bin, dass ich auch öfters umknicke oder unvorsichtig gehe und öfters stolpere. Mir hilft dann imm einer Blick nach innen oder was mir gerade bei meinem Körper auffällt, wo ich etwas spüre, wie die Blätter, der Wald, der Weg aussieht, was ich höre, den Wind, die Wellen, die Vögel, was ich rieche etc. mich auf meine Sinne zu konzentrieren, mich zu beobachten. Keine Ahnung, ob Du damit etwas anfangen kannst...ist wahrscheinlich jede/R anders, ich glaube auch wie die Anderen, dass sich dein Körper und Geist mit dem Gehen einpendelt und genau das Tempo findet, was er braucht und Dir guttut. Darauf darf man/frau vertrauen;-)
2015 Camino del Norte Irun - SdC
2016 Camino Primitivo Oviedo - Lugo
2016 Camino Portuges Porto - Tui
2017 Fränkischer Jakobsweg Lichtenfels - Nürnberg
2017 Flitterwochen auf dem Franziskusweg La Verna - Assisi
2018 Camino Frances Pamplona - Sarria

ಆಂಡ್ರಿಯಾ

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #8 am: Februar 13, 2018, 18:42:22 Nachmittag »
Stefan, das ist gar kein Problem. Du wirst Freunde unter den Radpilgern finden. Die sind wahrscheinlich immer in denselben Herbergen wie du :-)

Nö, im Ernst. Mach dir darüber keine Gedanken. Lauf einfach. Du merkst ja selbst, wenn die Welt zu schnell an dir vorbeifliegt. Wenn dich das stört, hilft es dann vielleicht, sich mal auf rechts und links zu konzentrieren anstatt auf geradeaus.

Ich beneide solche Turbopilger immer ein bisschen. Denn manchmal denke ich, meine Zeit wird nicht reichen, um alle Wege zu gehen und alle Schätze zu sehen, die da draußen auf mich warten. Das wird dir vermutlich nicht passieren ...

LG,
Andrea
See the world sometimes
can be unkind
but I tell you
it's a beautiful life

https://www.youtube.com/watch?v=gEIzQzyFqwE

stefan0585

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #9 am: Februar 13, 2018, 19:17:36 Nachmittag »
Danke für die bisherigen Antworten und Meinungen

Tatsächlich möchte ich mich nicht als Turbopilger oder sehen, finds ja selber schlimm, wenn man den ganzen Tag Zeit, aber nur den halben brauch. Definitv möchte ich versuchen soviel wie möglich von unterwegs mit zu nehmen. Sei es Gespräche mit anderen Leuten, sei es von mir aus alle 5km 15 Minuten Pause und die Umgebung zu genießen oder was auch immer.

Ich möchte ja bewusst versuchen zu "entschleunigen" um mehr Zeit für das hier und jetzt zu haben.
Ich habe in den letzen Jahren einfach gemerkt das mein leben sehr sehr schnell war. Wohl auch dem geschuldet das ich eben aus der Gastronomie komme. In 4 Jahren arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff hab ich fast 3x die Erde umrundet. Besuche in Städten und Dörfer waren eher nen Powertourismus um in der kurzen Zeit die man hat soviel aufzusaugen wie nur irgendwie möglich. Folge dessen war dann das man 3 Tage später nicht mehr wusste wo man eben 3 Tage vorher gewesen ist ^^.

Nach dem letzen Jahr (Unfall in Spanien mit Bänderriss und dem Tod meines Vaters) ist es fü rmich jetzt der Zeitpunkt einfach mal etwas Dampf raus zu lassen. Ich bin der Meinung, auch wenn ich eben erst Anfang 30 bin, das jetzt der Moment ist dem Leben etwas Dampf zu nehmen und sich mehr auf einen selber zu konzentrieren.

Transalper

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #10 am: Februar 13, 2018, 19:30:22 Nachmittag »
Hallo Stefan,
ich sehe darin kein Problem, du befindest dich in einer Liga mit meinem Mann, er hat den CF von SJPdP bis Finisterra
unter 20 Tage gegangen, ich war nicht dabei, bei unseren gemeinsamen Touren bestimme ich das Tempo, sind immerhin auch mal über 30 KM.
Wenn es die zu schnell ist, nimm ne Bekannte/r mit, der bremst dich schon.
Mach dir keinen Kopf, nimm alles gelassener
BC
Beate

stefan0585

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #11 am: Februar 13, 2018, 19:33:28 Nachmittag »
Hi Beate,

okay das ist nen strammes Tempo :) Tatsächlich war es geplant das wer mitgeht... aber klappt nun doch nicht und schon gar nicht 4-5 Wochen am Stück, die Zeit nehm ich mir ja tatsächlich. Hätte auch Stückeln können wie viele, aus persönlicher sicht, oder auch persönlichem Ehrgeiz möchte ich das doch gern an einem Stück machen und die Zeit haben nicht viele

Möchtegernpilger

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #12 am: Februar 14, 2018, 00:57:59 Vormittag »
Als "Caminozwerg" kann ich über Deine Laufleistng nur staunen. Geh einfach! Es gibt einen Grundsatz: "Der Camino gibt Dir nicht , was du Dir wünscht, sondern was Du bracuchst!"
 Geh  DEINEN Weg, wie du willst, in Deinem Tempo, aber hör auf Deinen Körper, öffne Dich für die - manchmal verschlüsselten -  Botschaften des Weges! Das kann eine schöne Aussicht sein, eine körperliche Beschwer (Blase, Sehnenscheidenentzündung usw), die Begegnung mit einem Pilger und dessen beeindruckende Geschichte usw. Auf meinem ersten Camino bremsten mich viele schmerzhafte Blasen..., mahnten mich kürzere Strecken und langsam zu gehen, inne zu halten...
Ich wünsche Dir von Herzen "Buen Camino"!

Annalena44

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #13 am: Februar 14, 2018, 09:51:44 Vormittag »
Wenn du schon nach zwei Stunden am Ziel bist, geh einfach weiter. Entweder das ist dein Tempo. Warum solltest du das dann ändern, wahrscheinlicher aber wirst du dich entspannen, anfangen, den Weg zu genießen und auch Anschluss an langsamere Pilger finden. Zeit genug, zum "langsamen Entschleunigen" hast du dort allemal.

❀Sabine❀

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Re: Das "Problem" mit der Geschwindigkeit
« Antwort #14 am: Februar 15, 2018, 18:59:07 Nachmittag »
Hallo Stefan,

Entschleunigung würde ich nicht zwingend mit langsamen Gehen verbinden.
Für mich persönlich bedeutet Entschleunigung auch, mich in meinem Leben nicht dem Diktat der gleichgeschalteten Masse zu unterwerfen.
Bewusst handeln. Bewusst leben.
Schon weil ich vieles weglasse, ist mein Leben ruhiger. :)

Du hast 4-5 Wochen Zeit für deinen Camino.
Ein guter Anfang. :)
So hast du Puffertage. Zeit.
Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass du dich gleich zu Beginn auf deinem letzten Camino auf dem Jaizkibel (oder Monte Ulia?) schlimm verletzt hast und dass du deshalb in Bilbao starten möchtest
Einfach ein Gedanke:
Immer entgegen deinem Laufrhythmus sehr langsam zu gehen, kann dann für dich tatsächlich stressig und ermüdend sein.
Wenn du in dem Rhythmus bleibst, der dir entspricht und dabei aufmerksam und wach die Schönheit, die Vielfalt und die Kraft der Natur wahrnimmst, dann entschleunigst du innerlich und äußerlich.
Einfach so.
Dein Rhythmus wird beeinflusst von vielen Faktoren.
Wie du dich fühlst, was du siehst, hörst, spürst, riechst. Vom Gelände. Vom Wetter.
Lass dich darauf ein.
Dann wirst du auf ganz natürliche Weise mal mit schneller Schrittfrequenz gehen und dann mal wieder langsamer.
Gerade der Weg von Irun bis Bilbao ist so, so wunderschön.
Den ersten Tag eine kurze Etappe bis Pasaia, da bleibt dir automatisch viel Zeit für Langsamkeit, lange Pausen mit Wolken beobachten, Tiere streicheln und achtsames Gehen. ;)
Die Ausläufer der Pyrenäen könnten eine wunderschöne natürliche "Bremse" für dich sein, wenn du das magst.
Wie gesagt. Nur ein Gedanke.
Meinen ersten Camino del Norte ging ich in drei Wochen.
Minus drei Tage Pausen.
Also 18 Lauftage von Irún bis Santiago de Compostela.
Das ergab sich einfach so, weil ich zuvor schon monatelang auch im Gebirge unterwegs war. Sommer. Viel Licht.
Flow.
Alles so klar wahrzunehmen.
Intensiv und pur. Herrlich.
Den bekannten Spruch mit der Schildkröte und dem Hasen kann ich weder aus meiner eigenen Erfahrung, noch aus meiner Beobachtung heraus bestätigen.
Zu oberflächlich, so etwas.
Es geht doch darum, wie bewusst, wie aufmerksam, wie achtsam
du deinen Weg gehst.
Das hat nichts mit der Anzahl deiner Kilometer zu tun.
Oder mit deinem Laufrhythmus.
Warum sollte ich Mittags oder Nachmittags schon an/in einer Herberge sein?
Gemeinschaft erlebe ich auch am Abend.
Auf meinem zweiten Camino del Norte war ich sehr viel länger unterwegs.
Das war zu jener Zeit mein Rhythmus, dem ich genau so natürlich folgte wie beim ersten Mal.
Eine meiner kürzesten Etappen war aber auf dem Camino Francés von Santo Domingo de la Calzada bis nach Grañon.
Ich liebe es, auf Türme zu steigen und über die Dächer einer Stadt zu blicken.
Dächer haben für mich so etwas Behütendes, Geborgenes.
Ich genoss also die Aussicht vom Turm über die roten Dächer der Stadt bis weit in die sonnenbeschienene Landschaft unter einem herrlichen Caminohimmel, danach noch die kühle Stille im Kreuzgang des Monasterio.
Dann ging ich nach Grañon.
Weil die Rosen so herrlich dufteten blieb ich dort.
Stundenlang auf einer Bank in der milden Wärme der Sonne betört vom Honigduft.
Bis es zu spät war zum weitergehen.
Zum Glück. :)
Dann kommen wieder Tage an denen ich laufe, laufe, laufe. Einfach so.
Das Leben fließt.
Du kannst das richtige Maß für dich finden, wenn du auf deinen Körper hörst und dich wach auf deinen Weg einlässt.
Du hast alle Möglichkeiten, Stefan.
Freue dich darauf!
Vertraue einfach auf dein Herz.
Wenn du gerne in Bilbao startest, hat dir Winti ja auch schon viele gute Möglichkeiten und sehr schöne Extra-Wege aufgezeigt, die ich alle unterstreichen kann.
Entschleunigung.
Für mich persönlich beginnt es schon damit, dass ich mir die Zeit nehme Saint-Jean-Pied-de-Port, Camino Francés oder Camino del Norte tatsächlich auszuschreiben.
In diesem Sinne ein musikalischer Gruß. ;)

https://youtu.be/uUV3KvnvT-w

Bleib gesund, Stefan.
Buen Camino!
Sabine
❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀

https://www.youtube.com/watch?v=osatlWKNncc

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