Autor Thema: Das Ziel ist der Weg (Ulrich Hagenmeyer)  (Gelesen 3563 mal)

Frau Holle

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Das Ziel ist der Weg (Ulrich Hagenmeyer)
« am: Dezember 19, 2012, 23:40:41 Nachmittag »
Kennt jemand von euch dieses Buch?

Ich habe es kürzlich geschenkt bekommen und mich mehr durch die 138 "gearbeitet" als dass ich es verschlungen hätte.

Es ist das Werk eines Mannes, der von Ostfildern nach Santiago gelaufen ist und ein spirituelles (?!) Buch dazu geschrieben hat.

Das Buch ist sinnvoll aufgeteilt:
In 3 Oberthemen, die wiederum in je 3 Unterthemen aufgeteilt sind (plus der Weg nach Finisterre am Ende).

Jedes Unterthema ist in 3 Abschnitte unterteilt:
- Erklärung, wie es Pilgern geht, was sie bewegt und was sie fühlen (innerer Wandel etc)
- Erklärung der Wegstrecke (sehr grob natürlich, aber dennoch für meinen Geschmack zu detailliert)
- Persönlicher Bericht

Ich hatte mich hauptsächlich auf einen Erfahrungsbericht gefreut und konnte mit diesem Buch persönlich nicht viel anfangen, weil ich mir was Anderes erhofft hatte.

Das hängt wohl zum größten Teil daran, dass ich den Stil nicht mag.
Es wird immer geschrieben, was "der Pilger" fühlt, was ihn bewegt, was er durchmacht und wie sich sein Körper anfühlt.
Alles so, als würde es jedem so ergehen, der den Weg geht.
Als würde es eben "den Pilger" geben.
Und die Beschreibungen sind fast immer so, dass Handlungen und Erfahrungen der Pilger beschrieben werden, die die meisten aber wohl gar nicht so machen würden.

2 Beispiele:

"Wenn sie im Innenraum der gotischen Kathedrale an eine Säule gelehnt die vielen anderen Pilger vor den zahlreichen Seitenkapellen vorbeigehen sehen, sind sie aus der bisherigen Einsamkeit ihres Weges auf die Pilgergemeinschaft aufgelaufen und haben sich in sie eingeordnet, ohne ihr inneres Anliegen zu verlieren."

und

"Sie waschen sich am Brunnen auf dem Marktplatz den Schweiß vom Gesicht"

Das mag erzählerisch ja ein netter Stil sein, seine Erfahrung mitzuteilen, aber dann sollte der Autor das meiner Meinung nach auch so schreiben (also dass es seinen Erfahrungen sind).
Ich habe mich jedenfalls an keine Kathedralensäule gelehnt und im Februar und März auch keine Pilgermassen angetroffen und musste mir auch an keinem Brunnen den Schweiß wegwaschen, weil es nicht heiß war. Ich bin aber auch nur von SJPDP aus gelaufen...

Alles in Allem hab ich die Kapitel durchgeackert, bis ich zum Abschnitt mit den persönlichen Erfahrungen kam und daran hatte ich dann auch meine echte Freude.
Besonders im letzten Kapitel :)
Leider waren diese Abschnitte immer nur sehr kurz und man konnte gar nicht richtig "mitlaufen", aber einen kleinen Eindruck hab ich trotzdem bekommen.

Für Leseratten, die diesen Stil mögen, ist es sicher ein interessantes Buch. Und vielleicht ist das ja auch normal für "spirituelle Bücher", dass sie so formuliert werden!?
Das weiß ich nicht, war mein erstes Buch dieser Art.

(Zur Info: Ich werde es auch in die Buchausleihliste setzen, falls ich jemandes Interesse geweckt hab)

Raimund Joos

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Re: Das Ziel ist der Weg (Ulrich Hagenmeyer)
« Antwort #1 am: Dezember 20, 2012, 14:15:09 Nachmittag »
Hallo

Ich fand das Buch recht gut - ist aber schon lange her daß ich es gelesen habe. Vor allem die Fotos sind gut. Ich meine aber den teureren Band - es gibt verschiedenen Ausgaben davon.

Was recht interessant ist da immer wieder das Zitat von Konfuzius, das ja meist unvollstänig dargestellt wird.

Es lautet:

"Der Weg ist das Ziel.
Wenn das Ziel fern ist, ist der Weg lang."

Das bedeutet also nicht daß Ziel und Weg identisch, sondern untrennbar miteinander verbunden sind. Mit anderen Worten: Ich kann nicht über den Jakobsweg rennen wenn ich Entspannung auf dem Weg suche. Ich gehe nicht nach Norden wenn das Ziel im Westen liegt.

Jesus sagt "Ich bin der Weg......" Jesus ist nach der katholischen Lehre Gott. Jesus Christus ist somit sowohl Weg zu Gott als auch Gott selbst - beides kann nicht im Gegesatz zueinander stehen.

Dies ist also mit diesem Satz gemeint. Es besteht hier wieder mal keine Diskrepanz zwischen den Religionen wenn man bereit ist oberflächliche Begrifflichkeiten zu überwenden und den tieferen Sinn der Worte zu begreifen.

Bon Camino

Raimund 
« Letzte Änderung: Dezember 20, 2012, 14:17:26 Nachmittag von Raimund Joos »

S.Yates

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Re: Das Ziel ist der Weg (Ulrich Hagenmeyer)
« Antwort #2 am: Dezember 20, 2012, 21:53:53 Nachmittag »
...

Jesus ist nach der katholischen Lehre Gott. Jesus Christus ist somit sowohl Weg zu Gott als auch Gott selbst - beides kann nicht im Gegesatz zueinander stehen.

...


Nicht nur nach der katholischen Lehre, auch nach der evangelischen, der orthodoxen usw. ;-) SY
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copiness

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Re: Das Ziel ist der Weg (Ulrich Hagenmeyer)
« Antwort #3 am: Dezember 21, 2012, 14:30:51 Nachmittag »
Ich kenne das Buch auch. Ich hatte mir es in einer Stadtbücherei geliehen.
Es war anders, als ich zuerst erwartet hatte, da ging es mir wie dir, Frau Holle, aber dann fand ich es doch echt gut. Und was "der Pilger" fühlt usw., nun, das konnte ich so hinnehmen im Wissen, dass es ja nicht jedem gleich ergeht.
Die Fotos haben mir gut gefallen.

Und- nicht dass ich mich da besonders gut auskennen würde, aber -: bei den Evangelischen ist Jesus der Sohn Gottes, nicht Gott selbst.
Oder wie jetzt?
Gehört nicht in diesen "Bücher Thread", ist schon gut.
LG Copiness

S.Yates

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Re: Das Ziel ist der Weg (Ulrich Hagenmeyer)
« Antwort #4 am: Dezember 21, 2012, 17:42:09 Nachmittag »
Und- nicht dass ich mich da besonders gut auskennen würde, aber -: bei den Evangelischen ist Jesus der Sohn Gottes, nicht Gott selbst.
Oder wie jetzt?
Gehört nicht in diesen "Bücher Thread", ist schon gut.
LG Copiness

Die Dreieinigkeitslehre ist schon bei allen christlichen Kirchen dieselbe: http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeit
Also auch für Evangelische wie mich gilt das, SY
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Raimund Joos

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Re: Das Ziel ist der Weg (Ulrich Hagenmeyer)
« Antwort #5 am: Dezember 24, 2012, 11:25:19 Vormittag »
Und- nicht dass ich mich da besonders gut auskennen würde, aber -: bei den Evangelischen ist Jesus der Sohn Gottes, nicht Gott selbst.
Oder wie jetzt?
Gehört nicht in diesen "Bücher Thread", ist schon gut.
LG Copiness

Die Dreieinigkeitslehre ist schon bei allen christlichen Kirchen dieselbe: http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeit
Also auch für Evangelische wie mich gilt das, SY

Das war nicht immer so - es gab auch die Arianer, die da anderer Meinung waren und von der Kirche als Heretiker verfolgt wurden (werden)

http://de.wikipedia.org/wiki/Arianismus

Ob heute alle christliche Kirchen (und vor allem deren Gläubigen) der oben dargestellte Lehre folgen, hängt letztlich davon ab, wie man "christlich" deffiniert: Wer alle vorab als Nicht-Christen betrachtet, die die oben beschriebene Lehre nicht glauben, der hat da natürlich Recht.

Wer aber meint daß alle, die an Jesus Christus glauben, auch die eben genannten Dogmen teilen, der ist meiner Meinung nach auf dem Holzweg.

Bon Camino

Raimund 

VerlaufNix

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Re: Das Ziel ist der Weg (Ulrich Hagenmeyer)
« Antwort #6 am: Januar 06, 2017, 18:17:02 Nachmittag »
Hallo Fr. Holle,

auch wenn der Thread schon moos angesetzt hat, konnte ich es mir nicht verkneifen eine Anwort zu schreiben :-)

Im Gegensatz zu Dir konnte ich mit dem Buch sehr viel Anfangen, bin aber  wahrscheinlich nicht ganz Neutral, da ich aus dem selben Ort komme bzw. und im gleichen desselben gestartet bin wie Ulrich Hagenmeyer. Die Bilder sind wirklich grandios und die Texte sind aus einer persönlichen Sicht geschrieben, das sollte man abstrahieren wenn es gelesen wird - wobei ich Dir recht gebe das kann schon nerven - aber ich finde es ist eines der guten (für mich eines der besten) Jakobsweg Bücher.

Aus der Diskussion der Dreifaltigkeitslehre halte ich mich raus, das ist ein ganz heißes Eisen, und ähm meine Welt sind die Zahlen ... ;-)

Grüße
Stefan